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Moosach:Das Pflaster bleibt heiß

asphaltschneise

"Da läuft kein Kind mehr barfuß drüber, weil es sich die Füße verbrennt": Anwohner hatten auf den Asphaltbändern im Wohnpark an der Vilniusstraße mit einem Badethermometer Temperaturen von 45 Grad Celsius gemessen.

(Foto: Privat)

Die asphaltierten Wege im Wohnpark an der Vilniusstraße sollen zum Teil wieder entsiegelt werden. Nicht genug für die Anwohner, die den ursprünglichen, naturbelassenen Zustand wiederhaben wollen

Kompromiss auf allen Seiten: Eine Straße lässt das Baureferat neu anlegen, ein Teilstück entsiegeln, eines in eine wassergebundene Wegdecke umwandeln und eines belassen. So sieht nach einem Ortstermin die derzeitige Lösung für die asphaltierten Wege im Wohnpark an der Vilniusstraße aus. Eine vorübergehende, wie Wolfgang Kuhn (SPD), Vorsitzender des Moosacher Bezirksausschusses, in der letzten Sitzung vor der Sommerpause am Montagabend betonte. "Ob es endgültig so bleiben wird, wird sich noch herausstellen", sagte er. Es sei eine Lösung, die zwar nicht "jeder vor Ort" mittrage, aber alle befriedige, auch die Älteren im Pflegezentrum an der Baubergerstraße, die den Park mitbenutzen wollten.

Um die Osterzeit herum waren zum Entsetzen der Anwohner etwa die Hälfte der bis dahin naturbelassenen Wege zwischen den Häusern mit einer breiten Asphaltschicht überzogen worden. Wo vorher Kinder gespielt und Vögel in Wasserpfützen gebadet hatten, zog sich ein dunkles Nichts dahin. Nicht nur die Breite und Dimension hatte die Anwohner seinerzeit entsetzt, sondern die aus ihrer Sicht absolut unnötige Versiegelung. Und die Informationspolitik: Lediglich ein Bauschild habe verkündet, dass dort Wege saniert würden.

Unterstützung kam aus dem Bezirksausschuss, der ebenso entsetzt reagierte und den ursprünglichen Zustand wiederhaben wollte. Noch dazu, weil das Baureferat offensichtlich die falsche Stelle angegangen hatte. Die Stadtbezirksvertreter waren davon ausgegangen, dass nur ein kleines Teilstück von 130 Metern wegen der Verlegung der Buslinie 51 von der Netzer- in die Baubergerstraße befestigt werden sollte - als Abkürzung zur neuen Bushaltestelle für die Anwohner aus der Umgebung der Netzerstraße.

Diese hatten wegen längerer Wege den neuen Bushalt nicht akzeptieren wollen, weswegen der kürzere durch den Park trittsicher werden sollte. Dass damit gleich 600 Quadratmeter - allerdings in der entgegengesetzten Richtung - asphaltiert wurden, bezeichnete das Baureferat seinerzeit als Missverständnis.

Jener "richtige" Weg soll trotz weiterer Versiegelung für die Nutzer der Buslinie jetzt eine Asphaltdecke erhalten und beleuchtet werden. Der davon abzweigende westliche Bogen zu der platzartigen Aufweitung erhält eine wassergebundene Decke. Die Asphaltdecke zwischen dem Durchgangsweg beim Pflegeheim und der Vilniusstraße soll belassen und nur der westlich verlaufende zurückgebaut und wassergebunden befestigt werden. Nach Abschluss der ersten Arbeiten soll erneut ein Ortstermin oder runder Tisch einberufen werden, um gemeinsam zu beurteilen, wie weiter vorgegangen werden soll. Die Anwohner sind alles andere als zufrieden mit dem Ergebnis, "aber es war das Maximale, was wir an jenem Tag herausholen konnten", sagt Heidi Pongratz-Aschauer, eine ihrer Sprecherinnen. Sie hatte zum Ortstermin ein Badethermometer ihrer Tochter mitgebracht und es auf die Asphaltdecke gelegt. Innerhalb kurzer Zeit habe es an dem sonnigen, aber nicht sehr heißen Tag 45 Grad Celsius angezeigt. "Da läuft kein Kind mehr barfuß drüber, weil es sich die Füße verbrennt, und es setzt sich auch niemand auf eine Bank", sagt sie. "Für uns ist es ein Stückwerk", während es der Vertreter des Pflegeheims wohl gerne für seine noch mobilen Bewohner so belassen hätte und der Bezirksausschuss es allen habe recht machen wollen. Wichtig sei, dass es nur vorläufig sei. "Wir wollen, dass der Asphalt komplett wegkommt und sehen auch keine Notwendigkeit für die Nutzer der Buslinie, aber es war keine andere Lösung mit dem Bezirksausschuss zu erzielen", sagt Heidi Pongratz-Aschauer. Denn auch was den Weg zwischen Baubergerstraße und Netzerstraße angeht, haben Anwohner nachgemessen. Sie sind zu dem Schluss gekommen, dass der Zeitunterschied zur herkömmlichen Strecke von oder zur Bushaltestelle über den normalen Gehweg, der im Winter ja auch regelmäßig geräumt und gestreut werde, noch nicht einmal eine Minute beträgt.