23. Dezember 2016, 20:44 Chanukka Neun Kerzen für den König der Welt

Die Kinder der Sinai-Grundschule der Israelitischen Kultusgemeinde feiern den ersten Tag des Lichterfests an Heiligabend - und viele von ihnen erfreuen sich zu Hause am Christbaum und an der Chanukkia

Von Jutta Czeguhn

Der Kerzenleuchter ist ein wunderbar fröhliches Ding: Aus einem hellblauen Stamm, der mit Punkten und bunten Blumen verziert ist, sprießen acht Arme nach oben und werden von Teelichtern gekrönt. Dann gibt es da noch eine tanzende Frau in der Mitte, sie hält das neunte Licht, man nennt sie auch "Diener" oder hebräisch "Schamasch". Die Chanukkia steht in der Aula der Sinai-Ganztags-Grundschule der Israelitischen Kultusgemeinde am St.-Jakobs-Platz. Gleich werden die Kerzen entzündet, übungshalber, denn noch ist nicht Chanukka. Das achttägige jüdische Lichterfest beginnt heuer an Heiligabend am Ausgang des Schabbat, nach jüdischem Kalender ist das der 25. Kislew.

Ganz vorsichtig: Die Buben und Mädchen der Sinai-Grundschule entzünden, eine nach der anderen, die Kerzen der bunten Chanukkia.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

"So, und jetzt müsst ihr alle ganz gut aufpassen", sagt Marcus Schroll, Leiter des religiösen Erziehungswesens an der Schule. Er steht vor den 181 Grundschülern, für die bald die Ferien anbrechen. Gemeinsam haben sie sich auf das Lichterfest vorbereitet, das sie nun probeweise zelebrieren. Sie übten die Lieder ein, die sie gerade aus vollem Herzen gesungen haben. Und sie haben von der Geschichte erfahren, an die mit dem Lichterfest erinnert wird: vom erfolgreichen Aufstand der Makkabäer gegen die seleukidischen Besatzer im zweiten Jahrhundert vor unserer Zeit, von der Befreiung des Tempels in Jerusalem und vom Chanukka-Wunder. Um den geschändeten Tempel zu weihen und die Flamme der Menora am Brennen zu halten, war nur ein Krug mit Öl aufzutreiben. Gerade ausreichend für einen Tag. Doch der Leuchter brannte acht Tage. "Nun entzünden wir die Lichter der Chanukkia." Schroll bittet dazu vier Jungs und vier Mädchen nach vorne zum Leuchter. "Wir sagen jetzt die Segenssprüche, und jedes Kind darf dann eine Kerze anzünden", erklärt er. Kurz kommt Unruhe auf. Psst, machen die Lehrerinnen, dann wird es still. "Gelobt bist du, Ewiger, unser Gott, König der Welt . . .". Mit großem Ernst beginnen die Kinder, die Kerzen zu entfachen, ganz vorsichtig von rechts nach links. Die Helferkerze verwenden sie zum Anzünden der anderen.

Die Stundenanzahl der Fächer bestimmt die Regierung.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Dass der erste Abend von Chanukka in diesem Jahr auf Weihnachten fällt, ist Zufall. Der jüdische Festtermin ist nach dem Mondkalender ausgerichtet. Wie Weihnachten ist auch Chanukka vor allem ein Fest der Kinder und der Familie mit vielen Bräuchen. Da ist beispielsweise das Dreidel-Spiel, das ist ein viereckiger Kreisel mit den Buchstaben N, G, H und Sh auf den Seiten, mit dem man um das sogenannte Chanukka-Geld spielt, um Schokomünzen. Und in Erinnerung an das Ölwunder, erzählt Schroll, kämen in Öl gebackene Speisen auf den Tisch, Krapfengebäck oder Kartoffelpuffer, die sogenannten Latkes. Zu Chanukka gehören auch Geschenke. "In manchen Familien wird am ersten Abend geschenkt, in anderen am letzten", sagt Schroll. Doch überwiege eher der spirituelle Aspekt des Festes.

Alle neun Kerzen auf dem Leuchter in der Schulaula brennen nun. Die Kinder der Sinai-Schule stimmen noch einige Lieder an. Ehe es in die große Pause geht, bittet Marcus Schroll die Jungs, alle entliehenen Kippot wieder in ein Körbchen zu legen. Auch ein Viertklässer, der die ganze Zeit mitgesungen hat, bringt seine Kippa zurück. "Ich bin Christ", sagt er, das sind 40 Prozent der Grundschüler hier. Kein Problem sei das für ihn, sagt der Junge, zu Hause gebe es eben beides, einen Christbaum und eine Chanukkia.