Vietnam:In der Hand der Apparatschiks

Vietnam hat das Coronavirus bisher wirksam bekämpft. Das lässt die kommunistische Partei stärker erscheinen, als sie tatsächlich ist.

Von Arne Perras

Ökonomisch beindruckt das Land Vietnam, es hat sich zu einem Kraftwerk entwickelt. Selbst 2020, im Jahr der Pandemie, verzeichnete die asiatische Volkswirtschaft drei Prozent Wachstum. Das liegt nicht alleine daran, dass Hanoi vom Handelskrieg zwischen den USA und China profitierte. Vietnam hat auch das Coronavirus bisher schnell und wirksam bekämpft, weshalb es seine Wirtschaft eher wieder ankurbeln konnte als andere Länder.

Das alles lässt die Kommunistische Partei nun stark erscheinen - stärker, als sie tatsächlich ist. Bei ihrem Kongress in Hanoi jedenfalls zeigte der Apparat wenig Mut zur Erneuerung. Er hat sogar seine Regeln verbogen, damit der 76-jährige Nguyen Phu Trong den Posten des Generalsekretärs für eine dritte Amtszeit behalten konnte. Er ist ein Ideologe, der wenig Hoffnung weckt, dass der Einparteienstaat bald politische Freiheiten zulassen könnte.

Das Regime ließ zuletzt zahlreiche Gegner zu Haftstrafen verurteilen und hat damit starke Signale der Einschüchterung ans Volk gesandt: Wer Kritik am System wagt, spielt mit dem Feuer. Die Partei hat das Land eisern im Griff, aber sie wird bald neue Ideen brauchen, um eine Antwort auf die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich zu finden. Unwahrscheinlich, dass Apparatschik Trong dafür noch die entscheidenden Impulse liefern wird.

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