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Völkerrecht:Die Schuldigen

Das Haager UN-Tribunal verurteilt zwei weitere serbische Kriegsverbrecher - und schafft ein Stück Gerechtigkeit.

Von Tobias Zick

Es ist das letzte Urteil des Haager Sondergerichts zu Verbrechen im Bosnienkrieg der 1990er-Jahre - und es ist eines mit politischer Schlagkraft. Die Richter haben zwei Männer wegen Beihilfe zu Mord, Verfolgung und Vertreibung verurteilt, die seinerzeit zum engsten Zirkel des serbischen Präsidenten Slobodan Milošević gehörten.

Milošević selbst ist 2006 gestorben, während das Verfahren gegen ihn noch lief. Jetzt hat das Gericht seinen damaligen Geheimdienstchef und einen von dessen hochrangigen Beamten für schuldig befunden, paramilitärische Einheiten finanziert und ausgerüstet zu haben, die Zivilisten in Bosnien-Herzegowina mit einer "Terrorkampagne" überzogen - alles mit dem wahnhaften Ziel eines "ethnisch reinen Großserbien".

Das Urteil nimmt all jenen den Wind aus den Segeln, die eine direkte Beteiligung des damaligen Machtapparats um Milošević an den Großverbrechen leugnen. Die gestrig-nationalistischen Kräfte zwischen Belgrad und Banja Luka werden den Richterspruch als weiteren Beleg für eine vermeintliche antiserbische Kampagne des "Westens" anführen. Aber für den Rest der Welt ist es wertvoll zu wissen, wer welchen Anteil an den monströsen Kriegsverbrechen im Europa des späten 20. Jahrhunderts hatte.

© SZ/jkä
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