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Raketentest in Nordkorea:Kurzer Knall mit großer Wirkung

Nachwuchs-Diktator Kim Jong Un wollte sich vor seinen Generälen beweisen, nach dem fehlgeschlagenen Raketenstart aber steht er unter Zugzwang. Die Frage ist, wie er reagiert: Entweder er kehrt an den Verhandlungstisch zurück - oder er zündet einen Atomtest.

Der nordkoreanische Raketenstart war unvermeidlich. Nachwuchs-Diktator Kim Jong Un musste sich beweisen: vor seinen Generälen, der Elite im eigenen Land und sicher auch vor sich selbst. Das Volk in Nordkorea kann er nicht beeindrucken, es ist ganz mit dem Überleben beschäftigt. Dem Ausland galt das Signal der Stärke diesmal offenbar weniger.

Angeblich hat Pjöngjang die USA sogar vorab über den Raketentest informiert. Washington und Tokio haben zwar laut protestiert, sich aber doch merkbar zurückgehalten. Die USA haben die Vereinbarung vom 29. Februar bisher nicht platzen lassen, in der sie Nordkorea Lebensmittelhilfe zugesichert haben, wenn das Land sein Atomprogramm einfriert.

Unha-3 flog nicht einmal zwei Minuten lang. Nordkorea hat der Welt keinen Erfolg vorgeführt, sondern gezeigt, dass es nicht in der Lage ist, Interkontinentalraketen einzusetzen. Das hätte das beste aller Szenerien sein können. Kim hatte sein Feuerwerk - und die Nachbarn die Bestätigung dafür, dass in Nordkorea selbst militärische Projekte nicht funktionieren. Nur geht das Spiel nicht mehr auf, weil Kim das Scheitern zugab.

Damit hat er, oder die Leute, die für ihn entscheiden, sich plötzlich in einen Zugzwang manövriert. Wenn Kim meint, jetzt brauche er erst recht einen Knall, dann lässt er einen Atomtest zünden. Damit würde er jede Chance auf Hilfe und etwas Tauwetter verspielen. Oder er verzichtet auf weiteres Säbelrasseln und kehrt an den Verhandlungstisch zurück. Wenn man den 28-Jährigen auf den offiziellen TV-Bildern sieht, wie er verloren vor seinen 2000 stramm applaudierenden Parteisoldaten hockt, fragt man sich, ob er versteht, was mit ihm passiert.

© SZ vom 14.04.2012/ffu
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