Diskriminierung:Die Mehrheit der Anständigen

Lesezeit: 1 min

Einer Studie zufolge spielt antirassistische Schulung bei der Polizei eine viel zu geringe Rolle. Doch die Untersuchung macht es sich dann doch zu einfach.

Kommentar von Christian Wernicke

Nimmt die Politik die Probleme im Innern der deutschen Polizei nicht ernst? Diesen Schluss legt eine Studie nahe, die jetzt in den 16 Bundesländern sowie bei der Bundespolizei die Ausbildungspläne untersuchte. Das allzu arglose Ergebnis: Nicht mal eine Handvoll der 17 Innenministerinnen (und Minister) mag es den Hütern von Recht und Ordnung zumuten, sich während ihrer Ausbildung gegen Rassismus und Antisemitismus schulen zu lassen. Dass die Polizei (wie die Gesellschaft insgesamt) mit Vorurteilen und ja: auch mit rassistischen und frauenfeindlichen Exzessen zu kämpfen hat, belegen wiederkehrende Skandale etwa von widerwärtigen Chatgruppen wie in Essen oder zuletzt in Münster.

Allerdings lehrt ein zweiter Blick auch, dass die Studie offenbar recht formalistisch sortiert. In Nordrhein-Westfalen etwa, wo die Autoren - des seriösen "Mediendienstes Integration" - bei der Ausbildung junger Polizistinnen wie auch bei der Fortbildung erfahrener Beamter Anti-Rassismus als Pflichtfach vermissen, gehören entsprechende Schulungen durchaus zum Alltag - und zum Grundstudium für Polizeianwärter. Nur steht eben nicht überall "Antirassismus" drauf, wo Warnungen vor den eigenen Vorurteilen und vor Diskriminierungsformen wie "racial profiling" drinstecken.

Aus anderen Studien ist allerdings auch bekannt: Während der Polizei-Ausbildung sind bei jenen, die dafür anfällig sind, weniger rassistische Symptome festzustellen - um dann im harten Dienst wieder zu keimen. Weshalb andere Mittel gegen den Rassismus in Uniform nötig sind: Anständige Beamte und Beamtinnen - die große Mehrheit also - müssen ohne Furcht vor Repressalien der Kollegen Wege finden, die Vergehen der "schwarzen Schafe" intern zu outen. Und Bürger sollten bei strikt unabhängigen Polizei-Beauftragten Anzeige erstatten können gegen jede Willkür in Unform.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Abo kündigen
  • Kontakt und Impressum
  • AGB