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Profil:Christoph Mohn

Der Bertelsmann-Erbe steht vor großen Aufgaben. Jetzt übernimmt er die Rolle des Familiensprechers von Mutter Liz - zu deren 80. Geburtstag.

Von Caspar Busse

Er wird also derjenige sein, der die sechste Generation beim 1835 gegründeten Gütersloher Medienunternehmen Bertelsmann vertritt: Christoph Mohn, 55, wird von Liz Mohn das Amt des Familiensprechers übernehmen - exakt zum 80. Geburtstag der Mutter am 21. Juni. Damit wird er formal das Sagen haben, wenn es um die Zukunft eines der größten Medienunternehmen Europas geht. Es ist eine Karriere, die Christoph Mohn nicht in die Wiege gelegt war - und die so noch vor Jahren nicht unbedingt absehbar gewesen ist.

Christoph Mohn studierte nach dem Abitur in Münster Betriebswirtschaftslehre und fing dann erst mal im Unternehmen seines Vaters an, bei der Bertelsmann Music Group (BMG) in Hongkong und New York, weit weg von Gütersloh. Anschließend arbeitete er einige Zeit für die Unternehmensberatung McKinsey und machte dann 1997 sein eigenes Ding. Er wurde Chef des Suchmaschinenanbieters Lycos Europe.

Die Ziele waren groß, die Firma ging an die Börse, sammelte viel Geld ein und sollte einer der größten Onlineanbieter in Europa werden. Doch Lycos und Christoph Mohn scheiterten grandios, am Ende wurde das Unternehmen 2008 abgewickelt, sehr viel Geld ging verloren. Es war der bislang größte Rückschlag für Christoph Mohn. Seitdem ist er eher vorsichtig. "Man kann alles machen, aber überraschungsfrei muss es sein", sagte er jetzt dem Spiegel, an dem Bertelsmann über den Zeitschriftenverlag Gruner + Jahr mit etwa 25 Prozent beteiligt ist.

Keine Experimente, soll das wohl heißen, jedenfalls keine großen. Mit Visionen für die Zukunft von Bertelsmann ist Christoph Mohn bisher auch nicht aufgefallen. "Der Mann denkt in Prozessen", berichten sie in Gütersloh, Visionen sind offenbar nicht sein Ding. Christoph Mohn soll den erfolgreichen amerikanischen Großinvestor Warren Buffett sehr bewundern. Ansonsten gibt er sich bodenständig. Mit seiner Familie lebt er in Gütersloh in unmittelbarer Nähe seiner Mutter. Seine Frau Shobhna arbeitet in leitender Funktion ebenfalls bei Bertelsmann.

Christoph Mohn gilt als äußerst zurückhaltend und bescheiden, in der Öffentlichkeit tritt er eigentlich nie auf, ganz anders als Mutter Liz, die sich gerne mit den Mächtigen und Berühmten dieser Welt zeigt. Schon seit 2013 ist er Vorsitzender des Aufsichtsrats von Bertelsmann, die Geschäfte als Vorstandschef führt Thomas Rabe, 55. Zusammen habe die beiden Bertelsmann auf Effizienz getrimmt, gerade arbeiten sie daran, den Zeitschriftenverlag Gruner + Jahr (Stern, Geo, Brigitte) mit der Fernsehfirma RTL zu verschmelzen. Die beiden Betriebswirte Mohn und Rabe führen Bertelsmann mit seinen 130 000 Mitarbeitern und 17 Milliarden Euro Umsatz vor allem über Zahlen. "In Gütersloh sitzt auf fast jeden Baum ein Controller", klagt ein Beteiligter.

Jetzt hängt die Zukunft des Familienerbes an Christoph Mohn. Dabei erfuhr er erst im Alter von 14 Jahren, dass er überhaupt ein Mohn ist. Vater Reinhard, der Bertelsmann einst groß gemacht hatte und 2009 starb, führte viele Jahre ein Doppelleben. Christophs Mutter Liz war lange Zeit die heimliche Frau von Reinhard, führte unter anderem Namen eine Scheinehe mit einem Bertelsmann-Manager, Reinhard kam manchmal zu Besuch. Erst 1982, nach dem Tod seiner Mutter und der Scheidung von seiner ersten Frau, heiratete Reinhard Mohn die 20 Jahre jüngere Liz und adoptierte die drei gemeinsamen Kinder Christoph, Brigitte und Andreas. Letzterer ist nicht bei Bertelsmann tätig, Brigitte, die ihrer Mutter ähnelt, waren auch lange Zeit gute Chancen im Unternehmen eingeräumt worden.

Fest steht: Auch künftig wird Liz Mohn in wichtigen Fragen ein Wort mitreden. Aber immerhin: Die Weichen sind jetzt gestellt. Und auch die siebte Generation ist schon dabei. Zwei Enkel Reinhard Mohns aus dessen erster Ehe arbeiten bereits im Unternehmen.

© SZ
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