Japan:Der Mensch im Kaiser

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Japan hat die älteste Monarchie der Welt, die inzwischen aber auch ein paar Reformen für eine bessere Zukunft vertrüge.

Von Thomas Hahn

Die japanische Kaiserfamilie wird immer kleiner. Prinzessin Mako hat den Bürgerlichen Kei Komuro geheiratet. Nach dem Gesetz des Hofamtes verliert sie damit ihren Adelstitel. Die Familie umfasst jetzt nur noch 17 Mitglieder, nach dem Zweiten Weltkrieg waren es 67. Legitime Thronfolger des Kaisers Naruhito, 61, gibt es noch drei. Nur einer davon ist jung: Naruhitos 15 Jahre alter Neffe Hisahito.

Wie und ob man darauf reagiert, muss der japanische Staat selbst entscheiden. Der Kaiser ist schließlich nicht nur seine Symbolfigur, sondern auch der Hohepriester der Nationalreligion Shinto. Und in Glaubensfragen haben Außenstehende nichts besser zu wissen.

Aber man darf mit dem gebotenen Respekt hoffen, dass die älteste Monarchie der Welt Reformen für eine bessere Zukunft anschiebt. Oft hat man den Eindruck, dass rechtskonservative Kräfte Ideen ersticken, die wichtig sein könnten: Frauen auf dem Thron zum Beispiel. Sie passten zur gesellschaftlichen Wirklichkeit und nähmen Druck vom jungen Hisahito und seiner künftigen Gattin. Einen Thronfolger hervorbringen zu müssen, ist eine schwere Belastung. Naruhitos Frau, Kaiserin Masako, kann davon erzählen.

Eine weitere Hoffnung für das Kaiserhaus: Dass die Menschen in den Palästen etwas weniger eingeengt werden vom Anspruch, einem vorgefertigten japanischen Ideal zu genügen. Der Kaiser darf sich nicht politisch äußern. Seine persönlichen Talente verschwinden fast hinter seinen zeremoniellen Pflichten. Und die bisherige Prinzessin Mako musste jahrelang ertragen, dass die Nation den Mann ihrer Wahl nicht gutheißt.

Die Bedeutung des Kaiserhauses würde noch größer, wenn Japans Politik und Mainstream dessen Mitgliedern mehr vertraute. Immerhin, schon jetzt tragen sie durch ihr Beispiel zum moralischen Fortschritt bei. Nach den anhaltenden Anfeindungen gegen Makos jetzigen Mann sperrt das Internetportal Yahoo! Japan neuerdings Hasskommentare. Zeit wurde es.

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