DGB:Eine exzellente Wahl

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Yasmin Fahimi führt künftig den Deutschen Gewerkschaftsbund. Eine kuriose Personalie? Nur auf den allerersten Blick.

Kommentar von Benedikt Peters

Es wäre naheliegend, sich über diese Personalie ein wenig zu mokieren: Da liebäugelt ein erfahrener Gewerkschaftschef wochenlang öffentlich mit einem Wechsel an die DGB-Spitze, und als er an Machtkämpfen scheitert, bekommt den Job ausgerechnet seine Lebensgefährtin. Yasmin Fahimi wird im Mai Nachfolgerin von Reiner Hoffmann als Chefin des Deutschen Gewerkschaftsbunds - und eben nicht ihr Partner Michael Vassiliadis, der Vorsitzende der Chemiegewerkschaft IG BCE. Jede Aufregung über Postengeschacher aber griffe viel zu kurz, Fahimi hat den Rückhalt von allen acht Mitglieds-Gewerkschaften, nicht bloß von den Chemieleuten. Und sie hat ihn zu Recht: Als DGB-Chefin ist sie nicht nur eine gute, sie ist eine exzellente Wahl.

Zwei Dinge muss die künftige DGB-Chefin beherrschen: Sie muss das Organisationsdickicht der Gewerkschaften durchblicken, andernfalls hätte sie keine Chance. Fahimi kann das zweifellos, sie hat 17 Jahre ihres Arbeitslebens bei der Chemiegewerkschaft verbracht, zuletzt leitete sie die Grundsatzabteilung. Noch wichtiger aber ist das politische Wirken: Fahimi wird im Mai zur wichtigsten Arbeitnehmervertreterin Deutschlands, sie muss zuspitzen, in Interviews auf den Putz hauen, die Leute erreichen. Und sie braucht gute Kontakte zur Bundesregierung, auf deren Gesetzgebung sie Einfluss nehmen soll. Fahimis politische Erfahrungen - erst das Zuspitzen als SPD-Generalsekretärin, dann das Amt der Staatssekretärin im Arbeitsministerium - sind dafür gute Voraussetzungen.

Moment, Generalsekretärin, da war doch was: Fahimis Amtszeit in den Jahren 2014 und 2015 galt als schwierig, weil sie nicht mit dem damaligen SPD-Chef Sigmar Gabriel harmonierte. Sie widersprach ihm öffentlich, als er den Dialog mit den Fremdenfeinden von Pegida guthieß. Aber dass sie zu ihren Überzeugungen auch dann steht, wenn es ungemütlich wird: Das spricht eher für als gegen sie.

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