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Deutsche Bank:Transparenz geht anders

Warnstreiks in Call-Centern der Deutschen Bank

Ob die Deutsche Bank im Kern noch immer einer "Bad Bank" gleicht? Man wird es wohl erst in einigen Jahren wissen.

(Foto: Boris Roessler/dpa)

Die Deutsche Bank hat Verluste aus dem Investmentbanking in eine interne Bad Bank geschoben - womöglich um Händlern weiter Boni bezahlen zu können. Das Geldhaus muss dringend Transparenz schaffen.

Kommentar von Meike Schreiber

Hohn und Spott waren der Deutschen Bank sicher, nachdem sie sich in den vergangenen Jahren Skandal um Skandal geleistet hatte. Eine kriminelle Vereinigung sei sie, war einer der bösen Vorwürfe, oder eben eine einzige "Bad Bank", so jedenfalls der Titel eines Buches über die neuere Geschichte des größten deutschen Geldhauses.

Ob die Deutsche Bank heute wirklich geläutert ist oder im Kern noch immer einer "Bad Bank" gleicht, wird man wohl erst in ein paar Jahren wissen. Krumme Geschäfte kommen oft erst später ans Tageslicht. Der Vorstand um Konzernchef Christian Sewing wirbt damit, nunmehr einen "positiven Beitrag" zu leisten - für wen auch immer. Gilt er den Kunden, den Aktionären? Oder womöglich eher den Investmentbankern selbst, die sich weiter Boni gönnen wollen, als gäbe es kein Morgen?

Auf Letzteres deutet der Umgang mit der internen Bad Bank hin, welche das Geldhaus im Sommer 2019 als großen Befreiungsschlag verkauft hat, die aber in Wirklichkeit hohe Verluste produzieren wird. Die Deutsche Bank lässt es dabei an entscheidenden Stellen an Transparenz mangeln, wie Recherchen der SZ zeigen. Es schwingt ein Hauch von Bilanz-Kosmetik mit, um es freundlich zu formulieren, aber auch der Verdacht, dass sich millionenschwere Investmentbanker weiter selbst bedienen.

Es fängt damit an, dass die Deutsche Bank in diesen Bilanz-Mülleimer nicht etwa komplizierte Kredite aus dem Immobiliengeschäft versenkt hat, sondern Papiere aus dem Investmentbanking; in der Größenordnung übrigens einer ganzen Landesbank. So eine Übung läuft in der Fachsprache ebenfalls unter "Bad Bank". Sie soll die Bilanz entlasten und ist zum Beispiel dann sinnvoll, wenn ein Institut unter der Last fauler Kredite erdrückt zu werden droht oder sich aus Geschäften zurückzieht. Im Fall von komplizierten Projekt-Krediten kann es besser sein, wenn sich Experten darum kümmern, diese noch möglichst gut zu verwerten.

Im Handelsgeschäft aber macht so eine Einheit keinen Sinn, denn die Händler kennen ihren Markt viel besser als irgendwelche Abwicklungsspezialisten. Es sei denn, sie wollen ihre Verluste wegschieben, um ihren eigenen Geschäftsbereich umso heller erstrahlen zu lassen. Eigentlich schreibt das Vergütungsgesetz für Banken vor, dass Boni eingefroren oder sogar zurückgezahlt werden müssen, wenn sich Geschäfte als verlustreich erweisen. Hat die Bank inzwischen also Boni zurückgefordert oder eingefroren? Dazu möchte man sich nicht äußern, was vielsagend ist.

Zudem hat die Deutsche Bank in ihrer "Bad Bank" längst nicht nur das Aktiengeschäft versenkt, welches das Geldhaus offiziell aufgegeben hat. Abgeschoben hat sie dorthin auch verlustreiche Investmentbanking-Geschäfte aus dem Anleihehandel, welche die Deutsche Bank sehr wohl weiter in der Angebotspalette hat. Wer also wissen will, ob der Geschäftsbereich wirklich so brummt, wie die Bank glauben machen will, muss die Bad-Bank-Verluste mit den Gewinnen im Investmentbanking verrechnen.

Das Geldhaus hat sich naserümpfend gegen den Begriff der "Bad Bank" gewehrt

Noch dazu hat das Geldhaus die Sparte euphemistisch "Einheit zur Kapitalfreisetzung" genannt, hat sich naserümpfend gegen den Begriff der "Bad Bank" gewehrt, mit dem Verweis, es handele sich bei den Papieren vorwiegend um "Qualitäts"-Papiere. In Wahrheit aber werden dort unter dem Strich rund neun Milliarden Euro an Verlusten entstehen, sodass die Einheit bestenfalls zwar kein zusätzliches Kapital benötigt, allerdings auch keines "freisetzt", wie es Sewing noch im Juli 2019 in aller Deutlichkeit versprochen hatte.

Außerdem schweigt sich die Deutsche Bank dazu aus, von wann eigentlich die Geschäfte in der Bad Bank stammen. Wurden Wertpapiere womöglich irgendwann allzu zu optimistisch bewertet, die nun plötzlich wieder abgeschrieben werden müssen? Die Deutsche Bank hatte schließlich schon einmal eine Bad Bank, welche nach hohen Verlusten erst 2016/2017 geschlossen wurde. Nur ein kleiner Teil der Papiere aus der alten Einheit ging dabei in die neue Bad Bank mit über. Das zeigt wiederum, dass es sich hierbei nicht um Altlasten des Ancien Regime handeln kann. Es geht ganz offenbar um Geschäfte, die unter der Ägide von Sewings Vorgänger John Cryan eingegangen wurden, wobei Sewing zu dieser Zeit selber schon im Vorstand und Paul Achleitner der Aufsichtsratschef war. Auch damals hatte die Führungsriege viel versprochen und wenig gehalten. Die Bank werde risikoärmer und schon 2017 wieder eine "normale Bank" sein. Davon ist sie aber immer noch weit entfernt.

© SZ
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