Corona-Politik:Die Wucht der Sommerwelle

Lesezeit: 1 min

Das Aus für kostenlose Bürgertests und all die Sonderregelungen werden nur dazu führen, dass die Zahl der Anbieter sinkt. Das wird unschöne Folgen haben.

Kommentar von Michaela Schwinn

Das Bürokratiemonster traf die meisten Apotheken und Testzentren vollkommen unvorbereitet. Nur wenig Zeit blieb ihnen, um die neue Testverordnung des Bundes umzusetzen - ein Werk mit vielen Regeln und ebenso vielen Ausnahmen. Der Kern: Kostenlose Bürgertests gibt es nur noch für ganz wenige, der Rest muss draufzahlen. Grundsätzlich ist es richtig, bei den Tests genauer hinzuschauen - zu oft wurde bei den Abrechnungen gelogen und betrogen, viele Millionen Euro gingen dafür drauf. Der Bund müsse nun sparen, sagt Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD), man könne sich die kostenlosen Tests leider nicht mehr leisten. Auch das mag stimmen, und trotzdem ist das Aus der kostenlosen Bürgertests fatal.

Anbieter müssen sich alleine durch all die Regelungen kämpfen

Apotheker und Test-Anbieter werden mit dem Regelungswust alleingelassen. Sie müssten sich nun Mutterpässe zeigen lassen, Geburtsurkunden und Theaterkarten, um zu überprüfen, ob jemandem ein kostenloser oder verbilligter Test zusteht oder nicht. Das kostet Zeit und Mühe. Schon jetzt haben viele Teststationen geschlossen, weil sich das Geschäft nicht mehr lohnt. Mit der neuen bürokratischen Zumutung riskiert die Regierung, dass noch viele folgen - und es am Ende nur noch geringe Testkapazitäten gibt. Auch werden sich nun viele Bürger angesichts der ohnehin steigenden Lebenshaltungskosten den Gang zum Testzentrum sparen.

Die Sommerwelle bäumt sich gerade mit voller Wucht auf, die Zahl der Intensivpatienten steigt. Sehenden Auges steuert Deutschland auf die nächste Hochphase der Seuche zu - ohne ihr etwas entgegenzusetzen. Kaum jemand trägt mehr Maske, fast alle Maßnahmen gegen die Pandemie wurden außer Kraft gesetzt. Wenn nun weniger getestet wird, werden viele Infektionen unerkannt bleiben. Ihre Träger werden womöglich Alte und Kranke anstecken, die keinen oder nur einen geringen Impfschutz haben. Das Virus kann unerkannt weiter wüten. Und was macht die Regierung? Sie geht auf Blindflug. Am Ende könnte sie diese Entscheidung teuer zu stehen kommen.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Abo kündigen
  • Kontakt und Impressum
  • AGB