Aktuelles Lexikon:Wut

Heftige Emotion, die im medizinischen Sinne auf Probleme hinweisen kann. Eine Bremer Wählervereinigung trägt das Wort jedoch im Namen vor sich her.

Von Joachim Käppner

Mit der Bremer Wählervereinigung BIW, "Bürger in Wut", ist eine Partei in ein deutsches Parlament eingezogen, welche die Wut im Namen trägt. Gewiss nicht zufällig erscheint die Nähe zu den "Wutbürgern", die der Duden in feiner Zurückhaltung definiert als "aus Enttäuschung über bestimmte politische Entscheidungen sehr heftig öffentlich protestierende und demonstrierende Bürger". Man könnte sagen, der - warum auch immer - dem demokratischen Interessenausgleich entfremdete Wutbürger und die Wutbürgerin sind cholerische Geschwister der ewig Betroffenen, die lieber ihre Opferidentität pflegen. Die rechtskonservative BIW hat in Bremen wohl fast zehn Prozent der Stimmen geholt, ungeachtet der Tatsache, dass ihr Markenname medizinisch betrachtet auf gewisse mentale Probleme hinweisen kann. Wut wird in Fachlexika etwa beschrieben als "heftige, gar übertrieben impulsive Emotion, die häufig mit starker Aggression einhergeht" und zum Wutanfall als Ausdruck verlorener Affektkontrolle führen mag. Andererseits kann Wut schlimmer erscheinen, als sie ist, wie der Naturforscher Theodor von Heuglin im 19. Jahrhundert am Beispiel des Nilpferds beobachtete: "Man ist versucht, zu glauben, daß das Brüllen der höchsten Wuth und Gereiztheit Ausdruck geben solle, während das Thier doch ganz friedlich spielt."

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