Afghanistan:Helfen am Hindukusch

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Als wäre das Land nicht genug gestraft, wird es schwer von einem Erdbeben getroffen. Der Westen muss die Menschen dort unterstützen - das freilich hat seinen Preis.

Kommentar von Joachim Käppner

Die Hypothese ist nicht von der Hand zu weisen, dass Russlands Despot Wladimir Putin den Angriffskrieg gegen die Ukraine auch deshalb wagte, weil er die falschen Schlüsse aus dem afghanischen Desaster der Nato gezogen hatte, nämlich: Das Bündnis müsse am Ende und kaum noch handlungsfähig sein. Die letzten Nato-Einheiten waren im Sommer 2021 fluchtartig abgezogen und hatten ein Land in Chaos und politischer Finsternis zurückgelassen. Doch Putins Krieg gegen die Ukraine einigte die Nato schlagartig, nun spricht kaum noch jemand von Afghanistan, auch wenn ein Parlamentarischer Untersuchungsausschuss des Bundstages den deutschen Beitrag zum Debakel am Hindukusch aufarbeitet.

Die Afghanen sind erneut der Tyrannei ausgeliefert

Den Afghanen selbst hilft das wenig. Sie blieben zurück in der Dunkelheit, erneut der Tyrannei der Gotteskrieger ausgesetzt, in einem Land voll Chaos, Armut und Gewalt. Geradezu schicksalhaft mutet an, dass nun auch noch das Erdbeben im Südosten viele Tote und massive Zerstörungen verursacht hat, so, als sei das Land nicht schon genug gestraft. Die Taliban, die jahrelang ausländische NGOs und Entwicklungshelfer angegriffen hatten, rufen nun nach humanitärer Hilfe - und Afghanistan sollte sie dennoch bekommen.

Der Taliban-Terror hatte freilich dazu geführt, dass heute die Strukturen der internationalen Hilfswerke im Land stark geschwächt sind. Aber noch sind Hilfsorganisationen aktiv, und Hilfe wird nun dringend benötigt. Es ist daher richtig, dass sich auch die Bundesregierung entschloss, den Opfern im Erdbebengebiet Unterstützung zukommen zu lassen.

Das bedeutet ja nicht, dass man damit das Regime der Taliban anerkennen würde. Es bedeutet aber, dass man über die Details mit ihnen verhandeln muss, denn ohne sie kann man den Erdbebenopfern nicht helfen. Und womöglich wäre das neue Drama Afghanistans auch ein Grund, sich wieder an die Menschen dort und ihr Schicksal zu erinnern.

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