Zukunftsvision für die Medien Internet + TV = HbbTV

Fernsehsender integrieren das Internet in ihr Programm. HbbTV heißt die neue Wundertechnik - und soll die mediale Zukunft sein. Schon jetzt rüsten TV-Sender im großen Stil auf. Bleibt allerdings die Frage: Braucht das überhaupt jemand?

Von Simon Feldmer

Ein bisschen unübersichtlich sieht es noch aus, was viele für die Zukunft des Fernsehens halten. Kleine Bildchen und kurze Texte, ein Videoschnipsel der Comedy-Sendung Switch Reloaded, zwischendurch blinkt Werbung. In einem Notizblock-großen Fenster auf dem Fernseher läuft das Pro-Sieben-Vormittagsprogramm weiter, während Lars Friedrichs auf der Startleiste am unteren Bildschirmrand des Fernsehers weiter nach rechts zappt.

So könnte HbbTV in der ARD aussehen.

(Foto: rbb/ARD Digital)

Noch kurz die Postleitzahl eingegeben, schon hat man einen ziemlich überdimensionierten Wetterbericht vor der Linse. Mit wetter.com gehört schließlich auch ein Webportal mit einprägsamer Adresse zur TV-Gruppe Pro Sieben Sat 1. Und natürlich haben die Vordenker im Haus auch das mit einbezogen, als es darum ging, das Internet ein bisschen weiter ins Fernsehen zu holen.

Lars Friedrichs, Leiter Hybrid-TV und Teletext in der Fernsehgruppe Pro Sieben Sat 1, sitzt auf einem roten Ledersofa. "Das ist deutlich mehr als ein neues Gimmick zur Zuschauerbindung, das hat Relevanz", sagt er. Vor ihm stehen sieben Fernseher in unterschiedlichen Größen in einem kleinen Bürozimmer, das sie am Konzernsitz in München-Unterföhring schon mal "future lab" nennen.

Sogenannte Smart-TV-Angebote wie Google TV kann man sich hier ansehen, das in Amerika gigantisch erfolgreiche Video-on-Demand-Portal Netflix. Immer wieder drückt Friedrichs auf den roten Knopf seiner Fernbedienung. Als "red button" hat sich diese Taste unter Medienmachern, die derzeit die Möglichkeiten neuer Hybrid-TV-Geräte ausloten, längst einen Namen gemacht. Denn mit ihr kann man auf einem internetfähigen Fernseher im Sekundentakt in die neue Welt des jeweiligen Senders und wieder raus springen.

Dem Konsumenten soll sich ein Mehrwertangebot eröffnen

Der technische Wandel hat wieder eine neue Herausforderung parat. Nachdem sich der gemeine Fernsehzuschauer an Begriffe wie HD und 3D gewöhnt hat, kommt erneut ein recht kryptisches Kürzel auf ihn zu. HbbTV steht für Hybrid Broadcast Broadband TV und bezeichnet einen federführend vom Institut für Rundfunktechnik (IRT), dem Forschungsinstitut der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten, entwickelten Standard, der spezielle Online-Anwendungen auf dem Fernseher möglich macht. "Mit der Einführung von HbbTV eröffnet sich dem Konsumenten eine Reihe neuer Mehrwertangebote wie beispielsweise TV-Editionen der Mediatheken, Fernsehen auf Abruf, interaktive Werbung, Personalisierung, Abstimmungen, Spiele und soziale Netzwerke sowie programmbegleitende Dienste wie digitale Teletexte und elektronische Programmführer" - so feiert das IRT diesen Standard auf seiner Internetseite.

Doch längst ist nicht geklärt, ob die Zuschauer diese Mehrwertangebote wirklich haben wollen. Auch Pro-Sieben-Mann Friedrichs, der jeden Tag die neuen Möglichkeiten erkundet, glaubt nicht, dass Smart-TV das klassische Fernsehen ablösen werde. Am Kerngeschäft will man auch in München-Unterföhring nicht zweifeln.

Vor allem die Jüngeren, die oft mehr vor dem Computer als vor dem TV-Bildschirm sitzen, sollen aber mit neuen Diensten gelockt werden. Soziale Foren auf dem Fernseher, Videotext mit bewegten Bildern, Onlineshopping mit der Fernbedienung - an HbbTV-Visionen fehlt es nicht. Ist da also wirklich was am Entstehen? Nach zahlreichen gefloppten Versuchen im vergangenen Jahrzehnt, das Fernsehen mit dem Internet auf dem großen Bildschirm zu verheiraten?

Die 25 schlimmsten TV-Serien

Zu schlecht für diese Welt