ZDF streicht "Der Marker" Zurück auf normal

Das ZDF muss sparen und streicht nun genau da, wo es weh tut. Sein Vorzeigeprodukt "Der Marker" im Kulturkanal wird abgesetzt.

Von Claudia Tieschky

Als die Finanzkontolleure des Rundfunks am 17. Januar 2012 ihren Bericht vorlegten, war Thomas Bellut als Intendant des ZDF noch nicht im Amt. Seit 15. März führt er den Sender, und eine der vielleicht wichtigsten Aufgaben Belluts ist die Normalisierung der Dinge zwischen KEF und ZDF. Die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten fordert Personalabbau im Wert von 75 Millionen Euro bis 2016.

Bellut soll deutlich gemacht haben, dies schnell umzusetzen. Im ZDFinside genannten Intranet informiert er nun über "Stellenstopp, Frühverrentung, Begrenzung der freien Mitarbeit". Dass der Prozess "schmerzhaft ist, war klar, aber er ist alternativlos", schreibt der Intendant.

Denn was Bellut in puncto KEF auch bewirken muss, ist Atmosphärisches. Viele Sparmillionen sind Altlasten. Der Sender hat laut KEF-Rapport jahrelang Vorgaben zum Personalabbau ignoriert. 2009 hatte das ZDF noch angegeben, 69 zusätzliche Stellen bis 2012 streichen zu wollen. Stattdessen habe der Sender auch zum Aufbau der Digitalprogramme den Personalaufwand vorübergehend erhöht - das am Ende "völlig veränderte Ergebnis" sei "besonders kritikwürdig", tadelte die KEF im Januar und formulierte einen Satz tiefsten Misstrauens: "Die Kommission hat auch Zweifel, ob (. . .) diese Entwicklung nicht schon erkennbar war und vom ZDF gegenüber der Kommission hätte dargelegt werden müssen." Ein Vorwurf hart am Eklat.

Bellut rechnet seinen Mitarbeitern vor: eine Einsparung bereits in diesem Jahr, schlage auch 2013 bis 2016 zu Buche - "also mit Faktor vier". Der Personal-Abbau führe "notwendigerweise" zu Konsequenzen im Programm. Kürzungen dürften nicht auf dem Rücken der verbleibenden Belegschaft umgesetzt werden, so der Intendant, der Nachtstudio und Blickpunkt streichen ließ und eine "Schemaklausur" ankündigt. Als Kriterien für seine Priorisierung nennt er ökonomische Aspekte, publizististische Relevanz, den Beitrag zur Erfüllung des Programmauftrags und Erfolg beim Publikum.

Wozu Bellut entschlossen ist, zeigt der Verzicht auf das multimediale Format Der Marker - ausgerechnet das tägliche popkulturelle Vorzeigeprodukt des Digitalsenders ZDF kultur. Es ist die erste bemerkenswerte Streichung in den digitalen Spartenprogrammen, wo beim ZDF jahrelang nur aufgebaut wurde. Auch das ist eine Normalisierung.