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Weitere Rügen:Presserat rügt lächerlich machende Darstellung von Opfern

Der Deutsche Presserat hat drei weitere Rügen ausgesprochen. Die Zeitschrift Freizeit Spass wurde für eine erfundene Geschichte über Prinzessin Diana gerügt, wie das Selbstkontrollorgan der Presse am Dienstag in Berlin mitteilte. Bild erhielt eine Rüge wegen eines falschen Zitats von einem Hongkonger Demokratie-Aktivisten. Der B.Z. hielt der Presserat vor, bei einem Anschlag auf ein Döner-Restaurant das Leid der Opfer lächerlich gemacht zu haben.

Bei der Berichterstattung der Online-Ausgabe der B. Z. ging es um eine Gasexplosion in einem arabischen Restaurant, bei der vier Personen zum Teil schwer verletzt wurden. Die Überschrift des Beitrags lautete: "Flambierter Döner? Schnellimbiss in der Sonnenallee explodiert". Die Redaktion änderte den Titel später. Der Presserat sah in der Überschrift, die das Leid der Opfer ins Lächerliche ziehe, eine schwere Verletzung des Ansehens der Presse.

Freizeit Spass hatte unter der Überschrift "Das ist ihre heimliche Tochter" detailliert die Geschichte um eine angebliche Tochter der 1997 gestorbenen Prinzessin Diana veröffentlicht. Die Story war komplett fiktiv, worüber die Redaktion ihre Leser jedoch nicht informierte. Der Presserat stellte daher einen schweren Verstoß gegen die Pflicht zur sorgfältigen Recherche und gegen das Wahrheitsgebot fest.

Die Bild-Zeitung hatte in einem Bericht über das gewaltsame Vorgehen der Hongkonger Polizei gegen Demonstranten den Aktivisten Joshua Wong mit den Worten zitiert: "Ich bitte die deutsche Regierung: 'Schaut auf Hongkong, seht, was hier passiert und nennt das Unrecht beim Namen!'". Wong bestritt aber auf Twitter, dass er der Redaktion in diesem Kontext ein Interview gegeben habe. Das Zitat stamme auch nicht aus früheren Interviews. Hier liege nicht nur ein Verstoß gegen die Pflicht zur Wahrheit vor, vielmehr werde der Dissident "durch die ihm zugeschriebene, kritische Äußerung über die chinesische Staatsmacht auch gefährdet", so der Beschwerdeausschuss.

Bereits am Freitag hatte der Presserat zwölf Rügen ausgesprochen. In der Sitzung am Montag befasste sich das Gremium mit Beschwerden, die in der vergangenen Woche aus zeitlichen Gründen nicht mehr behandelt werden konnten.

© SZ/epd
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