WDR Konservative Struktur

Ellen Ehni, 45, war unter anderem ARD-TV-Korrespondentin in Paris und Moderatorin von Plusminus.

(Foto: WDR/Linda Meiers)

Ellen Ehni wird Chefredakteurin Fernsehen im WDR, wenn Sonia Seymour Mikich im September in Rente geht. Lange hieß es, eine eigene Chefredaktion fürs TV werde es dann nicht mehr geben.

Von Hans Hoff

Mit der großen Organisationsreform im WDR geht es offenbar langsamer voran als ursprünglich geplant. Darauf deutet zumindest die Beförderung von Ellen Ehni hin, die man kennen kann, weil sie gelegentlich in den Tagesthemen kommentiert und regelmäßig im Deutschlandtrend die Zahlen sprechen lässt. Die Leiterin Programmgruppe Zeitgeschehen, Europa und Ausland soll am 1. September Chefredakteurin Fernsehen werden und damit Nachfolgerin von Sonia Seymour Mikich, die sich in den Ruhestand verabschiedet.

Ehni, Jahrgang 1973, verantwortet damit künftig alle Fernsehprogramme der Anstalt im eigenen Dritten und in der ARD, die im weitesten Sinne der Kategorie Information zuzurechnen sind. Bemerkenswert ist Ehnis Ernennung zur Chefredakteurin Fernsehen vor allem deshalb, weil es aus dem WDR lange geheißen hatte, es werde nach Mikichs Amtszeit keine eigene Chefredaktion fürs Fernsehen mehr geben. Vielmehr würden die Bereiche Fernsehen, Hörfunk und Internet in trimedialen Einheiten aufgehen. Es war sogar die Rede davon, dass auch die über der Chefredaktion amtierenden Direktionen von Jörg Schönenborn (Fernsehen) und Valerie Weber (Hörfunk) einen neuen Zuschnitt erhalten.

Dass diese Pläne inzwischen vom Tisch sind, konnte man schon vor dem Sommer absehen, als Intendant Tom Buhrow darauf drängte, die Verträge seiner Direktoren frühzeitig zu verlängern, offenbar ohne Veränderung in der Struktur. Diese Verlängerung liegt auf Eis, weil die als unabhängige Ermittlerin für den WDR eingesetzte ehemalige Gewerkschaftsvorsitzende Monika Wulf-Mathies noch klären soll, welche Rolle Schönenborn vor Jahren bei der Aufarbeitung von Vorwürfen sexueller Belästigung gespielt hat.

Mit der Ernennung Ehnis gibt es also nicht den lange gewünschten großen Schnitt. Stattdessen sind eher kleine Schritte zum neuen Medienhaus WDR geplant. Ehni hilft derzeit mit, den neuen Newsroom des WDR zu installieren.