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Medienkolumne "Abspann":Leib und Leben und Popmusik

Starkregen und Hochwasser: Diese Versicherung deckt die Schäden

In Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen - hier Erdorf in der Eifel - geht es um Leib und Leben, aber der WDR spielt unbeirrt die ARD-Popnacht.

(Foto: Harald Tittel/dpa)

"Sommer-Highlights" im Fernsehen, während draußen die Welt untergeht: Wie der WDR eine Vollkatastrophe produzierte.

Von Lena Reuters

Von einer "Vollkatastrophe in der Nacht" spricht Solingens Oberbürgermeister Tim Kurzbach mit Blick auf die Unwetterlage - besser kann man auch das Fernseh- und Radioprogramm des WDR in den Stunden von Mittwoch auf Donnerstag nicht zusammenfassen. In Rheinland-Pfalz und vor allem Nordrhein-Westfalen ertönen Sirenen, Strom fällt aus, "Land und Leute", sonst im Fokus wirklich jeder WDR-Programmoffensive, stehen unter Wasser, Bürgerinnen und Bürger begeben sich in die Notunterkünfte, suchen Schutz vor den Flutwellen. Menschen sterben. Der WDR, sonst eine verlässliche Größe im Kameraschwenk über nordrhein-westfälische Talsperren, spielt unbeirrt launige Musik in der ARD-Popnacht, nachdem er immerhin in den eigenen Radionachrichten nachts um eins markiert hat, es gehe im Empfangsgebiet "um Leib und Leben".

Dass die Mittwochnacht gefährlich werden würde, hatte sich tagsüber abgezeichnet. Das Moderationsduo der Aktuellen Stunde sagte brav, man schaue "mit Sorge in die Nacht". Im Anschluss liefen davon unbeirrt Sendungen mit Infos zu den "Sommer-Highlights" im Münsterland. Von 22.30 Uhr an berichtete der WDR. Nicht im TV, sondern über einen rudimentär aktualisierten Text-Ticker auf seiner Webseite und in vereinzelten Tweets.

Wo ist eigentlich Tom Buhrow?

Wer verlässliche, aktuelle Nachrichten suchte, schaute besser auf Kanäle der Städte und Einsatzkräfte in den sozialen Medien. Oder gleich bei Bild. Dort hatte man früh die Systeme hochgefahren und ließ Donnerstag früh die Breaking-Muskeln spielen. Wenn Bild nächsten Monat seinen TV-Sender eröffnet, um sich statt feuilletonistischen Fragen aller Art exakt diesen Katastrophen zu widmen, wird die systematische Behäbigkeit des WDR noch schreiender auffallen. Schade, dass man in Köln also gerade das Kulturprogramm runterschraubt.

Zurück ins Krisengebiet. Von einem "Jahrtausendhochwasser" sprach die nicht unter Alarmismusverdacht stehende Düsseldorfer Feuerwehr. Warum also stellt der WDR in einem solchen Fall nicht das Programm um? Auf diese Frage gibt der PR-prächtig ausgestattete Sender erst mal keine Antwort. Urlaubszeit. Im März noch atmete WDR-Intendant und ARD-Vorsitzende Tom Buhrow in der FAZ Wortwolken aus, unter der Mega-Überschrift "Wo die ARD im Jahr 2030 steht". Dann ist er irgendwie abgetaucht. Dafür hört man wirklich sehr viel aus und über seinen Sender. Krisensendungen über sich selbst ("Zigeunerschnitzel" plus "Oma/ Umweltsau") produziert der WDR je nach Schocklage recht verbissen. Nur wirkliche Probleme bereiten ja Dinge, die nicht selbst verbockt wurden, sondern jetzt gerade in der Eifel abgehen.

© SZ/cag
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