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Ulrich Wickert:"Ich bin ja jetzt richtiger Kriminalermittler"

sueddeutsche.de: Darf man denn als Journalist mit dem Verfassungsschutz kooperieren?

Ulrich Wickert: "Eins habe ich gelernt - Angst kann ein gutes Triebmittel sein."

"Mister Tagesthemen" Ulrich Wickert: "Meinetwegen müssen Privatsender keine Nachrichten senden."

(Foto: dpa)

Wickert: Ich fand das völlig in Ordnung.

sueddeutsche.de: Vermissen Sie die investigative Recherche heute?

Wickert: Na, ich recherchiere doch für meine Krimis. Ich bin ja jetzt richtiger Kriminalermittler. Und das macht enormen Spaß.

sueddeutsche.de: Die ARD hat gerade Günther Jauch für eine Talkshow eingekauft - würde Sie so eine Sendung nicht auch reizen?

Wickert: Mich nicht! Ich bin eher der Mann für lange Einzelinterviews. Mit Kohl, Genscher oder Schröder habe ich für Phoenix jeweils Interviews von drei Stunden Länge gemacht.

sueddeutsche.de: Für Jauch gibt das Erste immerhin mhr als 4000 Euro die Sendeminute aus.

Wickert: Wenn die ARD meint, sie braucht Jauch, dann ist das so. Was ich bedauere ist, dass in der ARD zu wenige Moderatoren aufgebaut werden, aus denen später mal Jauchs oder Harald Schmidts werden könnten. Heute wird zu häufig nur nach Leuten gesucht, die nur gefällig sind.

sueddeutsche.de: Sie haben vergangenen November eine große Kritik an den Nachrichtensendungen der Öffentlich-Rechtlichen geübt. Wie ist Ihre Bilanz heute darüber?

Wickert: Zuschauer haben mich zugeschüttet mit Zustimmung. Auch aus den Sendern wurden meine Aussagen oft, hinter vorgehaltener Hand, unterstützt. Natürlich kam auch der offizielle Widerspruch. Doch es hat sich einiges geändert. Diejenigen, die über Themengewichtung und Sondersendungen zu politischen Ereignissen entscheiden, denken seit der Kritik mehr darüber nach, welche Themen sie in welcher Form platzieren. Und das finde ich prima.

sueddeutsche.de: Beim Fall Kachelmann war die ARD so zurückhaltend.

Wickert: Der Mann ist absolut vorverurteilt worden. Wir wissen nicht, was da wirklich gewesen ist. Sein Liebesleben gehört nicht in die Öffentlichkeit.