Spielfilmtipps zum Wochenende:Lernfähig

Spielfilmtipps zum Wochenende: Der Ziegenhirte Zachry (Tom Hanks) blickt in eine düstere Zukunft.

Der Ziegenhirte Zachry (Tom Hanks) blickt in eine düstere Zukunft.

(Foto: rbb/ARD Degeto/Cloud Atlas Production/X-Filme)

"Cloud Atlas", "Halloween", "Absolute Power", "Gegen die Wand" und "Jahrhundertfrauen": die Fernsehtipps zum Wochenende.

Von Milan Pavlovic

Cloud Atlas

Abenteuer, RBB, Samstag, 23.30 Uhr

Tom Tykwer hat ein Faible für Schicksalsmomente, die den Lauf der Zeit ändern. Das fing nicht erst mit Lola rennt (1998) an, sondern spätestens mit dem Wunderwerk Winterschläfer (1997), in dem zwei Paare und ein Bauer aufeinander stoßen. Man multipliziere das Personal und die Zeitebenen - und fertig ist das Universum von Cloud Atlas, co-inszeniert von den Wachowski-Geschwistern, in dem bestimmte Charaktere (darunter Tom Hanks und Jim Broadbent) über Jahrzehnte, ach was: Jahrhunderte stets aufs Neue auf ihre Lernfähigkeit getestet werden. Nicht alles ist gelungen, und während Halle Berry sich den Film unter die Nägel reißt, fällt Jim Sturgess ziemlich ab. Wichtiger war aber, dass Cloud Atlas Tykwer davon überzeugte, Teil eines Regie-Triumvirats sein zu können. Und so kam seine fabelhafte Serie Babylon Berlin in Gang.

Halloween

Horror, MDR, Samstag, 23 Uhr

Apropos Tykwer: Relativ früh führte er in Berlin ein Kino ("Moviemento") und saugte dort die Bilder und Töne wie Muttermilch auf. Während hierzulande 1979 verbissen diskutiert wurde, ob man Halloween gutheißen dürfte, zog Tykwer schon als Teenie die richtigen Schlüsse aus dem eleganten Schocker, der in seinem Mut zur Langsamkeit unerreicht geblieben ist. "Halloween öffnet unsere Phantasien in sämtliche Richtungen", schrieb Tykwer, der wichtige Erzählmittel aus John-Carpenter-Filmen in seinen Werken anwandte, 1999 in Steadycam: "Wir füllen seine (üppigen) Leerstellen mit unseren persönlichen Dämonen, und Carpenter weiß, dass diese es sind, welche uns echte Angst machen." Ein Jammer bloß, dass danach drei bis 17 Halloween-Sequels und 3110 Nachahmer die Einmaligkeit des Originals verwässerten.

Absolute Power

Thriller, Sat 1, Nacht zu Sonntag, 0.55 Uhr

Zum Spannendsten im Kino gehört die Improvisation des Helden, wenn etwas schiefgelaufen ist: etwa wenn in Absolute Power ein betagter Dieb (Clint Eastwood) Augenzeuge wird, was für ein mieser Kerl der US-Präsident (Gene Hackman) ist. Direkt vorher (22.35 Uhr) spielt Eastwood in Gran Torino einen rassistischen Kriegsveteranen, dessen Viertel von Asiaten dominiert wird - und der verdutzt realisiert, dass ihm die unerwünschten Nachbarn näher stehen als die eigenen Verwandten. Auch Lob kann verstören - siehe Fatih Akin und sein wildes Melo Gegen die Wand (3sat, Samstag, 23.10 Uhr), in dem eine türkische Scheinehe zur wahren Liebe wird. Nachdem Oscarsiegerin Frances McDormand (Fargo) 2004 Akin mit dem Hauptpreis der Berlinale und dem Satz "Your film is like Rock 'n' Roll" geehrt hatte, tat sich der Hamburger schwer, ähnlich gut zu sein - bis Tschick (2016) kam.

Jahrhundertfrauen

Tragikomödie, One, Sonntag, 14.50 Uhr

Greta Gerwig war schon lange vor Barbie eine Persönlichkeit im US-Kino. Auf deutlich kleinerer Flamme zwar - aber immer schon mit dem Mut anzuecken (Frances Ha). Ein wichtiger Schritt: die Dramödie 20th Century Women, in der sie neben Elle Fanning und Annette Bening zu einem Trio seltsamer, eigenständiger Frauen gehört, die Ende der 1970er im verträumten Santa Barbara einen Knaben in einen jungen Mann verwandeln. Regie führte Mike Mills, sehr sensibel, und doch ertappt man sich immer wieder bei dem Gedanken, was Gerwig anders gemacht hätte. Schöne Ergänzung: In der urbritischen Agentenserie Mit Schirm, Charme & Melone (One, Samstag fünf Folgen ab 14.25 Uhr, Sonntag eine ab 16.40 Uhr) waren die taffen Hauptdarstellerinnen (u. a. Honor Blackman, später Diana Rigg in mehr als 50 Folgen) Vorboten der Emanzipation.

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