TV-Kritik: Beckmann:"Das ist doch zu komplex"

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Er will nun von Ilse Aigner die Zuständigkeiten in Bund und Ländern erläutert haben. In den vergangenen Tagen wurde bereits mehrfach das deutsche Behördenwirrwarr kritisiert - das Verbraucherschutzministerium ist ebenso zuständig wie das Gesundheitsministerium, denen wiederum jeweils das Bundesinstitut für Risikobewertung und das Robert-Koch-Institut unterstehen. Eigentlich ist Gesundheit in Deutschland allerdings Ländersache, weswegen das Robert-Koch-Institut hier nur beraten darf. Auch die möglicherweise betroffenen Lebensmittel werden nicht etwa vom Bundesministerium für Verbraucherschutz untersucht - sondern von den Länderbehörden.

Beckmann hat deswegen durchaus recht, wenn er Aigner unterbricht: "Wie Sie das erklären müssen, das ist doch zu komplex ... Warum gibt es kein zentrales Krisenzentrum?" Jetzt verfällt Ilse Aigner in Krimi-Deutsch: "Wir haben schon eine Task Force." Und im Übrigen verlaufe die Zusammenarbeit bestens. "Ich habe auch kein Bedürfnis, mitten in der Aufklärung über Strukturen zu diskutieren."

Doch Beckmann hat noch ein letztes Ass im Ärmel: den wütenden Landwirt. Gerhard Schulz, Gurkenbauer aus Papenburg, berichtet von Gurken, die wegen des verkündeten Lieferstopps in den Müll gekippt würden. 100.000 bis 120.000 Euro Umsatzeinbußen hat der Bauer eigenen Angaben zufolge schon hinnehmen müssen.

"Wir sind sehr enttäuscht, dass das Robert-Koch-Institut und das Ministerium überhaupt nicht reagieren und sich auf drei Kulturen fokussieren", beklagt er. Etwa drei Wochen könne ein Betrieb wie seiner den Auslieferungsstopp durchhalten - "dann müsste man schon mit der Bank sprechen".

Ilse Aigner reagiert professionell betroffen: "Dass die Situation bitter ist für die Erzeuger, das brauchen wir nicht diskutieren", sagt sie. Entschädigungen? Da druckst sie ein bisschen herum. In der Sache bleibt sie hart: "Es gibt schwere Erkrankungen. Da hat Verbraucherschutz höchste Priorität." Über die Situation der Landwirte werde sie sich aber trotzdem mit ihren europäischen Amtskollegen in Luxemburg unterhalten.

Beckmann wirkt zu diesem Zeitpunkt bereits müde. "Gibt es in der Kantine im Ministerium noch Salat? Im Robert-Koch-Institut?" versucht er noch einmal halbherzig eine kleine Provokation. Einvernehmliches Kopfschütteln bei Aigner und Burger. "Wir haben am Wochenende gegrillt", ruft Landwirt Schulz trotzig in den Raum, "und dabei haben wir Gurken und Tomaten gegessen." Gezwungenes Gelächter.

"Danke, Herr Burger, dass Sie sich gestellt haben", sagt Beckmann noch zum Schluss in Richtung RKI-Leiter. Ganz so, als wäre er das personifizierte Ehec-Bakterium, das sich höchstpersönlich und exklusiv in Beckmanns Sendung rechtfertigen musste.

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