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TV-Kritik: Menschen bei Maischberger:"Der Rechtsstaat gilt für alle"

Wenigstens an der Oberfläche schien auch Gabriele Kuby zunächst zu Welser aufzuschließen, als sie sagte, dass sie "große Trauer an der Kirche" empfinde. Dennoch machte sie ihre den Gesprächspartnern - mit Ausnahme des Bischofs - schwer nachvollziehbare rhetorische Umkehrung des Verursacherprinzips rasch deutlich.

"Es ist furchtbar, dass die Kirche so beschädigt wird", sagte sie - und das klang recht bewusst so, als ob die Beschädigung von außen und nicht von innen kommt. Mit ihrer steilen These, dass die Sexualmoral der Kirche unter "Dauerbeschuss der Mainstream-Medien" stehe, die bereitwillig den Anlass suchten, jetzt "die Kirche in die Knie zu zwingen", stand sie recht isoliert auf weiter Flur.

Ähnlich wie schon der Augsburger Bischof Walter Mixa zuvor versuchte sie ernsthaft aufrechtzuhalten, dass die sexuelle Revolution die "Werte der Gesellschaft untergraben" und somit dem Kindesmissbrauch Tür und Tor geöffnet habe. "Das ist obszön", schimpfte Franz Wittenbrink später und warnte davor, nicht die "Opfer ein zweites Mal zu missbrauchen".

Den Weg heraus aus dem Minenfeld führte ein klarer junger Mann: Der heute 23-jährige Benedikt Treimer, der als Zwölfjähriger von einem Priester sexuell missbraucht wurde, schilderte besonnen, aber nicht ohne Bitternis sein Martyrium noch einmal. Sein zentraler Vorwurf lautet: Wie schon in seinem ganz persönlichen Missbrauchsfall verpasse auch heute die Kirche die Chance zur echten Bewältigung und setze statt auf externe Aufklärer auf Vertuschen. Kirchliches Sünden-Vergeben sei für die Täter fehl am Platz. "Geht in Therapie", lautete seine Gegenforderung.

Zur Verpflichtung, Missbrauchsfälle nicht erst intern nach Rom zu melden, sondern zusammen mit den staatlichen Stellen zu untersuchen, bekannte sich auch Heiner Geißler, der erst spät aus der Deckung kam und sich mit Bischof Laun ein hitziges Wortgefecht über das seiner Meinung nach ebenfalls unzeitgemäße Heiratsverbot der Priester lieferte.

Wider eine "elitären Gerichtsbarkeit für die Kirche"

Gerade weil die Kirche daran nicht rütteln ließe, zöge sie eben auch viele potentiell Pädophile zum Dienst in den eigenen Reihen an, gab Maria von Welser zu bedenken. "Man muss sich die Priesteranwärter viel genauer ansehen", forderte sie und schlug wissenschaftlich fundierte Einstellungstests vor.

In der Frage der strafrechtlichen Ahndung hatte Heiner Geißler wenige Minuten vor Sendungsende das passende Schlusswort. "Der Rechtsstaat gilt für alle", sagte er an seinen Kontrahenten Bischof Laun gewandt. Eine "elitäre Gerichtsbarkeit für die Kirche" dürfe es nicht geben. Der Kirchenmann bilanzierte dennoch zum Schluss weitgehende Einigkeit. Mit dieser Feststellung könnte er wirklich in eine Falle getappt sein. Bis zum Wiedergewinnen von Vertrauen ist es für die Kirche noch ein weiter Weg.

© sueddeutsche.de/woja

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