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TV-Kritik: Kerner Spezial:Kampfkleidung auf dem Catwalk

Da thronte Karl-Theodor zu Guttenberg also im Fernsehstudio Feldlager, lässig im grauen Reißverschlusspulli, mit einem Moderator im Mallorca-Look neben sich und drei Kompanien Soldaten in Montur auf den niederen Rängen. Ab und an gesellte sich jemand aus der Truppe zum Gespräch dazu, Einspielfilme zeigten das Schicksal von Soldatenfamilien, es ging um Traumatisierung, zwischendurch drängelten sich Kompanien von Werbespots dazwischen. Und auch Kampfkleidung wurde auf dem Catwalk von Masar-i-Scharif vorgeführt.

Alles im Dienste der Aufklärung. "Das muss man sich mal vorstellen, bei 40 bis 50 Grad damit herumzulaufen", steuerte der besorgte Minister bei.

Wo Guttenberg ist, menschelt es, selbst in der Nähe von schwerem Waffengerät. Hier wird nicht getarnt, hier wird offen angebiedert. Er sei so dankbar, dass diese Sendung aus dem Einsatzgebiet gemacht werde, sagte der CSU-Politiker, sie zeige die Realität. Der Bundeswehr gebührten Verständnis, Anerkennung, Dankbarkeit.

Er ließ in diesem Truppen-Talk wirklich nichts unversucht, als Anwalt der Kämpfenden, als oberster Freund der Soldaten Wirkung zu erzielen. Als Quasi-Hausherr nahm er sich das Wort, wann immer es passte, um den Deutschen die kämpfende Bundeswehr am Hindukusch näher zu bringen, die Armee auf Abruf.

"Soweit kommt's noch, dass wir hier bei den Soldaten im Einsatz sparen", echauffierte er sich ein wenig künstlich. Ihn ärgert der geringe Rückhalt in der Bevölkerung und dass 71 Prozent für den Abzug aus Afghanistan plädieren. Er könne da nur ermuntern, an die Öffentlichkeit zu gehen, man nehme das Kriegsgeschehen zu wenig wahr, sagte Guttenberg.

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