TV-Kritik: Kerner Spezial Showtime für Geschwader Guttenberg

Hindukusch-TV: Der Star der deutschen Politik, "KT" Guttenberg, wird im afghanischen Feldlager von Johannes B. Kerner interviewt. Der Minister lässt es zwischen den Panzern menscheln.

Eine kleine Nachtkritik von Hans-Jürgen Jakobs

Am Anfang hatte der Freiherr im Regierungsamt bekanntlich einen Vornamen zu viel. Ihm war vor fast zwei Jahren per Wikipedia ein "Wilhelm" zugedichtet worden.

Camp-Talk: Johannes B. Kerner moderiert seine Sendung am Hindukusch. Sein Gast: Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg.

(Foto: photothek)

Inzwischen peppt ein Boulevardblatt von Rang ein wichtiges deutsches Adjektiv einfach mit einem Zusatzbuchstaben auf, um so auf Seite eins die Frau des Ministers zu würdigen: "Stephanie zu Guttenberg - wir finden die GUTT!"

Das Gute ist eben nicht gut genug, wenn nur der beliebteste deutsche Politiker auf der Bühne erscheint: Karl-Theodor zu Guttenberg, 39, Verteidigungsminister und Jung-Star der nicht mehr ganz so frischen CSU.

Für die Bürger ist der adlige Dirigentensohn aus einem alten fränkischen Schloss so etwas wie eine politische Erscheinung, die Steine in Brot und Parteiprosa in Lebensweisheit verwandelt. Hier gelten die Gesetze Hollywoods, und so kam seine Exzellenz vor einigen Tagen auf die Idee, im Streit um den hässlichen Krieg in Afghanistan mit einem eigenen Geschwader PR-Punkte zu machen.

An den Hindukusch, mitten rein ins Einsatzgebiet, reiste Ehefrau Stephanie mit Ugg-Boots, Jeans und Country-Karobluse an. Den eigenen Talkmaster, Johannes B. Kerner von Sat 1, brachten die "fabelhaften Guttenbergs" (Spiegel) gleich mit.

Getreu der Devise, dass die besten Ereignisse nun mal der eigenen Gedankenwelt entstammen müssen, scheint es der großen Bilderschau der beiden Kümmerer von Kundus an nichts zu fehlen. Nachdem zunächst die Fotomotive mit blonder Ministergattin im Kreise von Soldatinnen im Großkreis der Medien viel Raum gefunden hatten, schob Kerner mit ein paar Tagen Verspätung sein "Spezial" aus Masar-i-Scharif nach. Rund um Mitternacht bot der Privatsender Sat 1 in der Nacht auf Freitag sein eigenes Hindukusch-TV.

Am Ende eines Tages, an dem Außenminister Guido Westerwelle von der CSU-Intimfeindpartei FDP den Rückzug der Bundeswehr Ende 2011 angekündigt hatte, bot der Verteidigungsminister per Fernsehkonserve ein anderes Bild. Es gehe nicht so schnell, Afghanistan zu verlassen, warnte er. Nicht so schnell, wie andere sich das denken. Es wirkte wie eine PR-Botschaft von gestern. Überholt von der realen Politik.

Ehepaar Guttenberg in Afghanistan

Zwei von euch