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Trend in Fernsehserien:Es lebe der Serienkiller

Dexter

Dexter wird in Deutschland vom Pay-TV-Sender Sky übertragen.

(Foto: Showtime Networks Inc. All rights reserved.)

Zahlreiche TV-Serien präsentieren nicht mehr nur Sympathiebolzen und klar definierte Bösewichter, sondern Figuren, die eigentlich niemand leiden darf. Der Zuschauer wird trotzdem dazu verführt, diese Charaktere zu mögen. Bestes Beispiel: Serienkiller Dexter.

Darf man einen Serienkiller mögen? Einen rauchenden und saufenden Misogynen cool finden? Mit einem Drogenboss sympathisieren? Das amerikanische Fernsehen gibt darauf derzeit eine deutliche Antwort: Ja, man darf. Man soll sogar. Genau so funktionieren zahlreiche Serien, Dramen gleichermaßen wie Werke mit komödiantischem Ansatz. Es ist eine diabolische Verführung des Zuschauers - mal ist es eine teufelsgleiche Figur, mal ein Dämon, hin und wieder ein Kandidat für eine gehobene Position in der Hölle.

Es gibt Hank Moody in Californication, Charlie Harper in Two and a Half Men. Es gibt Walter White in Breaking Bad, Don Draper in Mad Men, Frank Underwood in House of Cards, Borgias, Henry VIII. in The Tudors. Es gibt den Joker in "The Dark Knight", dem zweiten Teil der neuesten Batman-Trilogie. Und natürlich gibt es Dexter, den blutliebenden Serienkiller in der gleichnamigen Serie, deren letzte Staffel gerade gestartet ist.

Die Hauptfigur arbeitet bei der Polizei von Miami in jener Abteilung, die für komplizierte Mordfälle zuständig ist, ihre Aufgabe besteht darin, Tatorte auf Spuren zu untersuchen. In seiner Freizeit tötet Dexter Menschen - doch er mordet nicht aus Lust. Er tötet Bösewichter oder zumindest solche, von denen er meint, dass sie den Tod verdient haben. Er übt Selbstjustiz und tut, so wird zumindest suggeriert, der Menschheit damit einen Gefallen. Ein Kindheitstrauma - Dexter erlebt im Alter von drei Jahren den grausamen Mord an seiner Mutter - verstärkt das Verständnis für seine Taten.

"Ich war immer auf der Seite von Dexter"

Dexter ficht nicht nur einen ständigen Kampf mit seiner Schwester und seinen Kollegen aus, sondern vor allem mit sich selbst. Er ist eine komplexe Persönlichkeit, eine Figur mit Tiefgang und interessanten Gedankengängen. Trotz seiner Untaten wird er als Charakter porträtiert, der sich um seine Mitmenschen sorgt, der Empathie empfindet. Ein Held also. Und doch ist er ein Killer. Ein Antiheld. "Ich war immer auf der Seite von Dexter", sagt Darsteller Michael C. Hall. "Ich glaube, dass wir immer an seiner Aussage zweifeln sollten, dass er ein 100-prozentiger Psychopath ist."

Möglicherweise ist dieser Zugang der Schlüssel zum Erfolg dieser Figuren: Es braucht einen Darsteller, dem es gelingt, eine ganz und gar unwirkliche Figur glaubhaft zum Leben zu erwecken. Hall findet seinen Charakter Dexter nicht abstoßend, Brian Cranston - Darsteller von Walter White aus Breaking Bad - gab kürzlich zu, aufgrund einer psychopathischen Freundin durchaus schon Mordgedanken gehabt zu haben. Vom kürzlich verstorbenen James Gandolfini heißt es, er habe die Figur des Tony Soprano derart angenommen, dass er sich auch privat veränderte.

Dieser Tony Soprano war eine der ersten Figuren, die nonchalant zwischen Protagonist und Antagonist schwebte und somit zum Antihelden wurde. Er war die Überhöhung des Vito Corleone aus der Pate-Trilogie - und vielleicht gilt die Serie deshalb als eine der faszinierendsten, weil sie am Ende nicht aufgelöst wird. Tony Soprano bleibt Tony Soprano - ob er jemals für seine Untaten wird büßen müssen oder bereits tot ist? Könnte sein, doch eigentlich muss er weiter leben.

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