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Thomas Bellut: künftiger ZDF-Intendant:Ein bisschen grau - aber unnachgiebig

Geschick, Verlässlichkeit, Stehvermögen und Durchsetzungskraft sind die Tugenden des zukünftigen ZDF-Intendanten Thomas Bellut. Der bisherige Höhepunkt seiner Journalisten-Karriere: der Spendenskandal um Helmut Kohl.

Es gibt kaum eine bekannte legendäre Szene oder herzergreifende Geste im beruflichen Werdegang von Thomas Bellut, an die man sich jetzt erinnern müsste. Wohl aber gab es einen steten Aufstieg, eine Karriere wie nach Plan. Das ist im öffentlich-rechtlichen Rundfunk selten, weil dort föderale Strukturen in viele Sackgassen führen und politische Ranküne eine Heimat hat.

Thomas Bellut wird neuer Intendant des ZDF

Ein bisschen grau, kein Entertainer: Thomas Bellut wird neuer Intendant des ZDF.

(Foto: dapd)

Geschick, Verlässlichkeit, Stehvermögen, Durchsetzungskraft sind die Tugenden Belluts, der an diesem Freitag ohne Gegenkandidat zum fünften Intendanten des ZDF gewählt wurde. Er begann 1984 als Volontär in Mainz, wurde Berlin-Korrespondent und war von 1990 an für Sondersendungen und Magazine zuständig. 1997 bekam er die Leitung der Hauptredaktion Innenpolitik. Da hatte man ihn bereits in der Wahlberichterstattung auf dem Bildschirm gesehen: sachlich, passender Ton, ein bisschen grau, kein Entertainer. Nun moderierte er ZDF spezial, das Politbarometer und den Schlagabtausch Was nun? .

In der Was, nun?-Ausgabe vom Dezember 1999, in der er mit dem damaligen Chefredakteur Klaus Bresser Altkanzler Helmut Kohl zusetzte, hatte Bellut dann doch seinen ganz besonderen Moment. Kohl gestand, zwei Millionen Mark an der CDU-Kasse vorbeigeleitet zu haben. Der Parteispendenskandal war auf dem Höhepunkt. Bellut hatte sich nach innen und außen als unnachgiebiger Fernsehjournalist profiliert.

Seine wichtigste Entscheidung traf er drei Jahre später. Er lehnte es ab, Chefredakteur zu werden und wurde Programmdirektor. Chefredakteure sind im ZDF mit den Parteien konfrontiert, die in Aufsichtsgremien einen rücksichtslosen Lobbyismus und ihre eigene Personalpolitik betreiben. Sein neues Amt wird der 56-Jährige, der für kurze Zeit in der Jungen Union war und im ZDF zu den Konservativen gerechnet wird, im Februar 2012 antreten. Markus Schächter, sein Vorgänger, hat die Anstalt in zehn Jahren zur digitalen Mediengruppe aufgebaut mit Jugend-, Kultur- und Info-Kanal. Die Internetseite ist mit Gebührengeld feudal ausgestattet, die Mediathek eine funktionierende Anlaufstelle.

Bellut, heute parteilos, stammt aus Osnabrück. Er studierte in Münster politische Wissenschaften, promovierte und schrieb für die Westfälischen Nachrichten aus Warendorf. Am Anfang stand das Wort. Darauf legt er Wert. Als ZDF-Intendant wird er sich auf die Konsolidierung der Anstalt konzentrieren. Als Spitzenmann des öffentlich-rechtlichen Systems muss er den anstehenden Wechsel des Gebührenmodells rechtfertigen und Lösungen für das zunehmende Legitimationsproblem finden, das ARD und ZDF in der Gesellschaft haben. Eine Lösung wäre, ein Fernsehprogramm zu organisieren, das junge Menschen nicht nur mit Sportübertragungen erreicht und sich überzeugend zu den Werten des öffentlich-rechtlichen Auftrages bekennt: zu Information, Kultur und Bildung.

Verheiratet ist Thomas Bellut mit der in der Türkei geborenen Hülya Özkan. Das Paar hat zwei Kinder und lernte sich bei der Arbeit kennen. Hülya Özkan führt beim ZDF durch die Sendung "Heute in Europa". Ihren Chef trifft sie künftig auch zu Hause.