"Tatort"-Wiederholung im Ersten Überraschend klingt anders

Die Schauspieler Natalia Wörner als Staatsanwältin Habermas und Mark Waschke als Riether in dem SWR-Tatort "Tote Erde" von Thomas Freundner.

(Foto: SWR)

Natalia Wörner schwäbelt durch diesen "Tatort", die Kommissare kriegen es mit ihren Frauan aber nicht geregelt. Ein enthemmtes Stuttgart voller Karikaturen.

Von Holger Gertz

Die Schauspielerin Natalia Wörner stammt aus Stuttgart, was man nicht so leicht heraushört, wenn man sie sonst im Fernsehen sieht. Der Schwabe an sich versteht sich darauf, seinen Dialekt zu verbergen - wenn er ihn aber mal rauslässt, dann richtig. Also schwäbelt sich Frau Wörner diesmal durch den Tatort, sie spielt eine Staatsanwältin, die den für Staatsanwälte offenbar angemessen wuchtigen Namen Habermas trägt, Henrike Habermas.

Überraschender wäre gewesen, wenn die Autoren einen Brückenpenner Habermas genannt hätten, aber ein Brückenpenner kommt nicht vor im Tatort, wie auch Überraschendes nicht vorkommt. Dafür liegt unter vielen Szenen dräuende Musik, die man sonst so ähnlich bei Aktenzeichen XY hört.

Ein Umweltaktivist ist umgebracht worden, ein anderer verschwunden. Ein Mädchen starrt verzagt, also kulleräugig, in die Landschaft. Zwischendurch tritt immer wieder Frau Habermas aus der Kulisse, einmal liegt sie mit ihrem lackaffigen neuen Freund nackt im Hotelbett, da kommt die Frau vom Zimmerservice rein, platzt mitten in den Akt und fragt, ob sie die Minibar nachfüllen soll. "Und - neue Handtücher?" Okay, das ist überraschend. Aber weil es eine solche Servicefrau nicht gibt, im enthemmten Stuttgart so wenig wie anderswo, kippt das Überraschende ins Unglaubwürdige. Der Witz löst sich auf, in Alberei.

Zeit ist wertvoll, hier aber verplempert

Die Kommissare kriegen es mit ihren Frauen nicht geregelt, Thorsten Lannert (Richy Müller) bringt seine ewig angebetete Nachbarin zum Flughafen. Sebastian Bootz (Felix Klare) fürchtet um die Gesundheit seiner ewig nöligen Ehefrau, aber die Episode findet keine Sprache für die inneren Konflikte der Kommissare. Was interessant hätte werden können, wird nur angerissen, dafür werden karikaturenhafte Charaktere in Ausführlichkeit dargestellt.

Ein Kotztüten-Staatsanwalt. Eine Frau mit den Namen Saraswati Meinhold, die nicht esoterisch angehaucht ist, sondern bretthart vernagelt. Als Lannert seine enorme Nase in den Raucherstäbchendunst des Esoterik-Ladens von Frau Saraswati hängt, liest sie ihm aus der Hand. Per Skype wird später ein echter Inder zugeschaltet, er sagt: "Zeit ist unsere Geld."

Zeit ist also wertvoll. Man sollte sie nicht mit diesem Tatort verplempern.

ARD, Sonntag, 20.15 Uhr

Anmerkung der Redaktion: Diese Kolumne von Holger Gertz ist zur Erstausstrahlung von "Tote Erde" im Oktober 2012 erschienen und wurde zur Wiederholung der Folge in der Tatort-Sommerpause erneut veröffentlicht.

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