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Talkshow über Griechenland:Wo Jauchs Gäste im Athen-Talk richtig liegen - und wo nicht

Was stimmt denn nun: Muss Griechenland schleunigst raus aus dem Euro? Schädigen Reformen nur die deutschen Steuerzahler? Bekommt Athen "Rettungsringe aus Blei"?

Von Jakob Schulz

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Diskussion bei Günther Jauch über Griechenland

Günther Jauch

Quelle: dpa

Es ist eine Schicksalswoche für Griechenland und die Euro-Zone, aber auch für die europäische Idee. Am 30. Juni muss Griechenland einen Kredit an den Internationalen Währungsfonds (IWF) zurückzahlen. Ohne neue Kredite der Geldgeber scheint die Rückzahlung derzeit ausgeschlossen. Ein Zahlungsausfall droht - und damit die Pleite des Landes.

Deshalb werden die Staats- und Regierungschefs der Euro-Zone am Montag wieder mit Griechenland verhandeln.

Zum Auftakt dieser wichtigen Woche lässt Günther Jauch in seiner ARD-Talkshow diskutieren über den "Countdown zum Staatsbankrott - Scheitert die Griechenland-Rettung?". Mit dabei: Die Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht, der griechische Syriza-Politiker Theodoros Paraskevopoulos, CSU-Politiker Theo Waigel und der Journalist Rainer Hank von der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Die Positionen der Diskutierenden sind nur mäßig überraschend - aber stimmen ihre wichtigsten Aussagen? Ein Überblick.

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Sahra Wagenknecht - die Unterstützerin Griechenlands

Griechenland - erneut Thema bei Jauch

Quelle: dpa

Die Linken-Politikerin hält die derzeitige Griechenland-Politik für katastrophal. Einen Grexit, also einen Austritt des Landes aus dem Euro, hält sie für wenig hilfreich. Ihre Argumentation: Mit einer neuen, drastisch abgewerteten Währung würde Athen seinen riesigen, auf Euro lautenden Schuldenberg niemals zurückzahlen können. Ein Grexit träfe so auch die deutschen Steuerzahler hart. Schließlich kommen viele Milliarden der griechischen Schulden aus Deutschland.

Gewohnt pointiert bemängelt Wagenknecht zudem, dass Griechenland in seiner jetzigen Lage keine weiteren Kürzungen brauche, schon gar keine Erhöhung der Mehrwertsteuer. Ihr Ansatz ergibt Sinn: Eine höhere Mehrwertsteuer würde ausgerechnet die Armen am meisten belasten, also genau diejenigen, die bereits jetzt am schlimmsten leiden. Wohlhabende Griechen dagegen träfe eine Anhebung der Mehrwertsteuer in Relation zu ihrem höheren Einkommen deutlich weniger.

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Theo Waigel - der Syriza-Kritiker

Griechenland - erneut Thema bei Jauch

Quelle: dpa

Als Finanzminister der Regierung Kohl wollte Theo Waigel (CSU) Griechenland schon Mitte der 90er Jahre nicht im Euro haben. Im Jahr 2015 muss er wieder darüber streiten, diesmal aber mit der vorlauten Sahra Wagenknecht.

An der aktuellen Regierung unter Syriza und Anel lässt Waigel kein gutes Haar. Syriza habe in den fünf Monaten seit ihrer Wahl alles kaputt gemacht, was in den Jahren zuvor erreicht worden sei, sagt er. Was er bei seinem harten Urteil aber geflissentlich verschweigt: Das griechische Bruttoinlandsprodukt schrumpfte bereits im letzten Quartal 2014 wieder, also noch vor dem Wahlsieg von Alexis Tsipras.

Einem Schuldenschnitt für Athen verweigert sich Waigel beharrlich. Seine Argumentation: Wenn man Griechenland Teile seiner Schulden erließe, würden sich Länder wie Portugal, Spanien oder die baltischen Staaten beschweren - schließlich hätten diese an ihren schmerzhaften Sparkursen festgehalten. In dieser Hinsicht ist Waigel zuzustimmen. Innerhalb der Euro-Zone zählen genau die Länder zu Tsipras' härtesten Kritikern, die ihren Bürgern selbst bereits harte Sparmaßnahmen auferlegt haben.

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Rainer Hank - der Grexit-Befürworter

Griechenland - erneut Thema bei Jauch

Quelle: dpa

Rainer Hank lehnt Griechenland im Euro bei weitem noch nicht so ausdauernd ab wie Theo Waigel - aber immerhin schon seit 2010. Den Grexit hält der Journalist der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung für positiv für Griechenland. Sein Argument: Athen könne seine neue Währung abwerten und so wieder wettbewerbsfähig werden. Auch wenn die kurzfristigen Risiken des Euro-Ausstiegs unbekannt seien: "Die langfristigen Folgen des Grexits werden für Griechenland gut sein," sagt Hank.

Gegen Hanks Einschätzung einzuwenden ist, dass Griechenland mit der Drachme nicht zwingend und nachhaltig gesunden muss. Auch mit einer eigenen, abgewerteten Währung müsste Tsipras sein Land umfassend reformieren. Er müsste die Ausgaben unter Kontrolle bringen, den Beamtenapparat entschlacken, die Steuerverwaltung schlagkräftiger machen, Menschen entlassen und Privatisierungen vorantreiben. Sollte die linke Syriza eine solche neoliberale Agenda nicht durchsetzen und stattdessen mehr ausgeben als es einnimmt, wären hohe Inflationsraten und soziale Unruhen vorstellbar.

Viel Hoffnung, dass Griechenland aus dem Euro gelassen wird, äußert Hank bei Günther Jauch aber nicht. Stattdessen befürchtet der "FAS"-Journalist eine andauernde "Konkursverschleppung" und daraus resultierend eine Erosion der Euro-Zone.

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Theodoros Paraskevopoulos - das Syriza-Raubein

Griechenland - erneut Thema bei Jauch

Quelle: dpa

"Rettungsringe aus Blei", sagt Theodoros Paraskevopoulos, "die wollen wir nicht haben." Paraskevopoulos ist Syriza-Mitglied und Wirtschaftsberater der Regierung Tsipras. Bei Günther Jauch übernimmt er die Rolle des griechischen Raubeins - und wettert zuverlässig gegen Spardiktat und Reformforderungen. Statt immer neuer Kreditpakete für Athen hält er einen Schuldenschnitt für angezeigt, allerdings für politisch nicht durchsetzbar.

Paraskevopulos kontert den Vorwurf, dass allein Athen die Verhandlungen mit den Gläubigern von Europäischer Zentralbank (EZB), EU-Kommission und IWF blockiere: "Griechenland hat sich sehr weit bewegt und einige Schritte vorgeschlagen, die den Wahlversprechen von Syriza eigentlich widersprechen."

Damit hat der Syriza-Berater recht. Im Wahlkampf fiel die Partei neben dem gutaussehenden und eloquenten Alexis Tsipras vor allem durch teure und populäre Versprechen auf. Privatisierungen sollten gestoppt, Rentenkürzungen und Mindestlohn zurückgedreht werden. Nach einigen Monaten auf der Regierungsbank ist die Partei nun teilweise umgeschwenkt. Privatisierungen laufen wieder an, ein versprochenes, milliardenschweres Investitionsprogramm liegt auf Eis.

Für die Verhandlungen diese Woche fordert Paraskevopoulos, dass die Unterhändler auf die Worte von IWF-Chefin Christine Lagarde hören. Die hatte sich zuletzt gewünscht, endlich mit Erwachsenen verhandeln zu können. Davon, dass Lagarde damit eigentlich auf die Vertreter Griechenlands angespielt hatte, wollte Paraskevopoulos bei Günther Jauch aber nichts wissen.

© SZ.de/cmy
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