Öffentlich-rechtliche Berichterstattung:"#CNN einschalten sofort"

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Claus Kleber war am Mittwochabend nicht an seinem Arbeitsplatz. Aber er verfolgte die Ereignisse in Washington und gab Tipps.

(Foto: Klaus Weddig/ZDF)

Wo berichten sie denn? ARD und ZDF ernten Kritik dafür, beim Sturm auf das Kapitol nicht ausreichend informiert zu haben. Dabei war das der Fall

Von Julia Meidinger und Francesca Polistina

Ein Mob aus teils bewaffneten Frauen und Männern, die Sicherheitskräfte umrennen, Fensterscheiben zerschlagen, Mauern hochklettern: Für viele Menschen bestand am Mittwochabend die erste Reaktion im Griff zur Fernbedienung. Aber wo lief sie eigentlich, die Live-Berichterstattung?

Claus Kleber, Heute Journal-Moderator, hatte in Echtzeit die Antwort parat. "Unfassbare Szenen im US #capitol #CNN einschalten sofort", twitterte er gegen 20.30 Uhr. Fast 8000 Likes erntete sein Post. Aber auch vielfach die Frage, warum ein Mitarbeiter des öffentlich-rechtlichen Fernsehens auf die amerikanischen Kollegen verweist?

Der Grund ist, dass sowohl die ARD im Ersten als auch das ZDF um 20.30 Uhr zunächst Filme und Dokus weiterlaufen ließen, anstatt live über den Sturm aufs Kapitol zu berichten.

Claus Kleber: "Ich finde, ARD/ZDF haben sich gut geschlagen."

Haben die öffentlich-rechtlichen Sender nicht schnell genug geschaltet? Nein. Sie haben ihr Angebot nur gut versteckt. Die ARD-Pressestelle teilte am Donnerstag auf Anfrage mit: "Während des Films ,Für immer Sommer 90' wurde ab 21.14 Uhr ein Breaking-News-Crawl zu den Ereignissen in Washington eingeblendet. Um 21.45 Uhr gab es ein zehnminütiges ,Tagesthemen extra'." Das Roadmovie mit Charly Hübner wurde nicht unterbrochen. Stattdessen liefen die News etwa 30 Minuten nach den ersten Meldungen aus Washington über das eingeblendete Laufband am unteren Bildschirmrand. Die ARD weist zudem darauf hin, dass der anschließende Film Die Liebe des Hans Albers um 23.00 Uhr für eine vorgezogenen Ausgabe der Tagesthemen abgebrochen wurde.

Das ZDF wiederum teilte mit, dass der Sender ab 20.45 Uhr die Zuschauer online informiert habe: "Bereits mit Eintreffen der ersten Meldungen zu Auseinandersetzungen am US-Kapitol informierte ZDF heute live in einer gut einstündigen Sonderausgabe auf der Nachrichtenplattform ZDFheute und in der ZDFmediathek über die Ereignisse rund um das Kapitol in Washington." Ab 21.45 Uhr berichtete dann das heute journal über die Stürmung des Kapitols. Später beschäftigte sich eine heute journal spezial-Ausgabe mit dem Thema.

Zudem berichteten Tagesschau24 und Phoenix den ganzen Abend über die Ereignisse in Washington - allerdings ohne dass die Sender darauf prominent verwiesen hätten. "Hinweise auf diese Angebote im laufenden Programm des Ersten wären gut und richtig gewesen", heißt es dazu am Donnerstag von der ARD.

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