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Streit um das Springer-Erbe:Aussprache ungewiss

Sein Vater, Springers Sohn Axel junior, hatte sich 1980 umgebracht, und der Enkel litt unter den Folgen einer Entführung, deren Opfer er wenige Monate zuvor geworden war. Er hatte, als er unterschrieb, keinen Berater an seiner Seite. Fast noch war er ein Kind. Erst sehr viel später fühlte er sich getäuscht und focht 2002 den Deal an. Wenn er gewonnen hätte, wären die Machtverhältnisse im Hause Springer total durcheinandergeraten. Aber wer so spät klagt, hat nur wenig Chancen.

Er scheiterte erst beim Landgericht und 2008 beim Hanseatischen Oberlandesgericht. Zwar wurden vor Gericht viele Ungereimtheiten und Merkwürdigkeiten vorgetragen, und mancher Beobachter konnte den späten Zorn des Enkels verstehen, aber eine "arglistige Täuschung", wie er meinte, wurde nicht festgestellt.

Das Hanseatische Oberlandesgericht ließ in seinem Urteil keine Revision beim Bundesgerichtshof (BGH) zu. Gegen die Nichtzulassung legte der Enkel Beschwerde beim BGH ein und der entschied im Sommer 2009, es sei nicht erkennbar, dass der Fall grundsätzliche Bedeutung habe. Zur Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung sei kein BGH-Urteil erforderlich.

Nun wird die Geschichte der Enkeldämmerung auf 288 Seiten ausführlich erzählt. Aggi schlägt dazu in dem Interview vor, dass Friede Springer und er noch mal über alles reden sollten. Er hoffe, die Verlegerwitwe sehe ein, "dass da nicht alles toll" gelaufen sei.

Ob sie es machen wird, ist sehr zweifelhaft: Jede Familie hat ihre Abgründe und selbst für gewiefte systemische Therapeuten ist es manchmal schwierig, das emotionale Klima zu rekonstruieren, in dem der Enkel aufgewachsen ist.

Auch weiß die Forschung, dass sich Großeltern mütterlicherseits (Omas insbesondere), deutlich mehr um ihre Enkelkinder kümmern als Großeltern väterlicherseits. Das jedenfalls haben Wissenschaftler der Universitäten Newcastle und Antwerpen festgestellt. Biologisch gesehen machen nur Investitionen in die eigenen Gene Sinn und da kann man sich nur bei der Tochter ganz sicher sein. Die Geschichte der Stiefgroßmütter ist allerdings noch nicht erforscht.

Der Selbstmord von Springers ältestem Sohn, dessen Filius jetzt sein eigenes Testament hat, brachte Augstein und Springer wieder ein Stück zusammen: "Bitte machen Sie sich keine Vorwürfe. Mal abgesehen davon, dass die meisten unberechtigt wären, hilft das nichts", schrieb 1980 der Spiegel-Mann dem trauernden Vater.