Streit über Honorar eskaliert Brasilianische Presse boykottiert "Google News"

Die Nachrichtenseite von Google ist Nachrichten-Anbietern immer wieder ein Dorn im Auge - wie nun in Brasilien. Dort ziehen sich 154 Tageszeitungen von Google News zurück. Sie wollen endlich Geld sehen.

Gegenwind für Google in Brasilien: In dem südamerikanischen Land haben 154 Zeitungen, darunter die Titel O Globo und O Estado de São Paulo der Nachrichtenseite des Suchmaschinenbetreibers den Rücken gekehrt. Sie folgten damit einer Aufforderung des nationalen Zeitungsverbandes ANJ, wie Medien am Wochenende unter Berufung auf ein exklusives E-Mail-Interview des "Knight Center for Journalism" der Universität Texas in Austin mit Verbandschefs Carlos Fernando Lindenberg Neto berichteten.

Unter dem Google-Logo werden auch Nachrichten verbreitet. Brasilianische Zeitungen wollen da nicht mehr hinnehmen, so lange sie der Suchmaschinenbetreiber nicht vergütet.

(Foto: dapd)

Hintergrund sei ein langer Streit mit Google, das sich weigere, die Zeitungen für Inhalte zu honorieren. Google News habe kommerziellen Nutzen von den Qualitätsinhalten, wolle aber nicht über ein Vergütungsmodell diskutieren, wird der Präsident der "Associação Nacional de Jornais" (ANJ) zitiert.

"Wir sind zu dem Schluss gekommen (...), dass uns ein Verbleib bei "Google News" nicht dabei geholfen hat, unseren digitalen Empfängerkreis zu vergrößern." Das Gegenteil sei der Fall: Oft verringere die kurze Darstellung bei Google mit nur einigen Zeilen die Chance, dass Internet-Nutzer die ganze Geschichte auf der Zeitungswebseite läsen.

Google hat wegen Google News immer wieder Ärger am Hals: In Belgien darf der Suchmaschinenbetreiber seit einem Gerichtsbeschluss aus dem Jahr 2011 keine Zeitungsausschnitte und Fotos aus belgischen Zeitungen aggregieren.

Google-Rechenzentren

Alles ist erleuchtet

Im März 2005 hatte zudem die Nachrichtenagentur Agence France-Presse (AFP) den Suchmaschinenbetreiber auf Schadensersatz in Höhe von 13,2 Millionen Euro vor einem amerikanischen Gericht verklagt. AFP hatte Google mehrmals erfolglos aufgefordert, die Inhalte ohne Genehmigung nicht zu nutzen.

Nach zwei Jahren Rechtsstreit einigten sich die Parteien darauf, dass Google von AFP eine Lizenz zur Nutzung erwirbt. In der Folge kam es zum Abschluss ähnlicher Vereinbarungen mit weiteren Nachrichtenagenturen wie der Associated Press (AP) oder der Canadian Press. Auch mit der European Pressphoto Agency (epa) hat Google eine Einigung erzielt, die allerdings nicht für alle Verbandsmitglieder gilt. Die dpa lehnt das Abkommen mit der epa beispielsweise ab.