"Stranger Things":Die neue Variante

Lesezeit: 2 min

"Stranger Things": Gealtert: Gaten Matarazzo als Dustin und Finn Wolfhard als Mike.

Gealtert: Gaten Matarazzo als Dustin und Finn Wolfhard als Mike.

(Foto: Netflix)

Die vierte Staffel von "Stranger Things" bietet wieder guten Grusel und warmen Retro, leidet aber an Gigantomanie. In den USA warnt Netflix nach dem Schulmassaker in Texas vor verstörenden Szenen.

Von Aurelie von Blazekovic

Mit dem Bösen in Hawkins ist es wie mit einem Virus - es ist zurück, in einer neuen Variante. Den Witz macht "Stranger Things" in der ersten Staffel seit Corona selbst, wie immer mit feiner Selbstironie und Bewusstsein dafür, wie sich aktuelle Referenzen in die Achtziger flechten lassen. Seit 2019 mussten sich die Fans der knuffig-gruseligen Serie gedulden. Nun ist sie da, Staffel vier, und der Start wird vom Schulmassaker eines 18-Jährigen in Texas überschattet, bei dem 21 Menschen starben. Weil die erste Folge eine Gewalttat zeigt, bei der auch Kinder sterben, sendet Netflix in den USA mit Warnhinweis.

Zurück ist also die "Dungeons & Dragons" spielende Nerdtruppe um Will, Mike, Dustin, Lucas und die aus dem Labor entflohene Eleven (Millie Bobby Brown), in der deutschen Fassung unsäglicherweise Elfi genannt. Sie ist die stärkste Widersacherin der Schattenwelt von Hawkins und wie ihre Freunde mittlerweile im besten Teenageralter: 1986, Eleven, die am Ende der letzten Staffel mit Will und seiner Mutter Joyce (Winona Ryder) nach Kalifornien gezogen ist, ist in einer Normalität aus Dauerwelle, Liebesbriefen und Schulproblemen angekommen. Dabei bleibt es nicht, das Böse in Hawkins nimmt immer brutalere Züge an.

Netflix verkauft "Stranger Things" als Horrorserie. Das ist längst nicht alles

"Stranger Things" läuft bei Netflix als Horrorserie, vereint aber alles von komischem Wohlfühl-Retro bis zum Splatter. Diesmal wird die Serie deutlich psychologisch, beschäftigt sich mit den Traumata der Bewohner von Hawkins und holt Vergangenes und fast vergessene Protagonisten zurück. Neu ist der liebenswürdige Teenager Eddie (Joseph Quinn), der, als das "Upside Down" erste Opfer fordert, zum verantwortlichen Satansjünger wird. Auch nach Russland führt die Geschichte diesmal.

Seit die erste Staffel zum Welterfolg wurde und ihre Protagonisten zu Weltstars machte, sind sechs Jahre vergangen. In der Serie sind es nur drei, der damals in die Unterwelt verschluckte Will war zwölf. Dass die Jungs und Mädchen jetzt 15 sein sollen, kauft man den Darstellern nicht ganz ab, muss man auch nicht. Groß sind sie geworden, kann man sich tantenhaft freuen. Diese angeblich vorletzte Staffel ist überhaupt sehr groß geworden. Gute Unterhaltung und gekonnt gesetzten Horror bietet sie immer noch, droht sich aber auch im Figuren- und Plotgeflecht zu verheddern. Die aufwendig inszenierten Kampfszenen und teuer aussehenden Computeranimationen gleichen das nur bedingt aus. Das Budget der Staffel liegt laut Wall Street Journal bei 30 Millionen Dollar - pro Episode.

Die Macher der Serie, die Zwillingsbrüder Matt and Ross Duffer, haben die Episoden nicht nur teurer, sondern auch immer länger werden lassen. Sie sind 75 Minuten, manche mehr als 90 Minuten lang und eigentlich eigene Filme. Die Staffel wird in zwei Hälften veröffentlicht, die zweite am 1. Juli. Herzen gewann "Stranger Things" ursprünglich ohne all den Pomp, als charmante Horrorgeschichte mit ein paar Kindern aus dem Mittleren Westen. Das vermisst man in Staffel vier ein bisschen.

Stranger Things, auf Netflix.

Weitere Serienempfehlungen finden Sie hier.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB