Neue Spielshow auf Pro Sieben Schmerzfreies Anecken

Die Moderatoren Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf tauchen immer auf, wenn jemand meint, es müssten mal ein paar frische junge Gesichter vor die Kamera. Nun bekommen die beiden von Pro Sieben eine Samstagabendshow - die Spielshow "17 Meter".

Von Hans Hoff

Wer es im Mediengeschäft ganz nach vorne schafft, gehört nicht zwangsläufig zu den Besten. Manchmal reicht auch Penetranz. Man ist einfach oft da, und weil man oft da ist, wird man wahrgenommen. Weil man wahrgenommen wird, wirkt man wie jemand, der Erfolg hat.

Wenn die Werbung zur Sendung passt: Die Moderatoren Joko Winterscheidt (rechts) und Klaas Heufer-Umlauf.

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Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf sind momentan sehr oft da. Die beiden Moderatoren der im Frühjahr eingestellten Show MTV Home sind die Gesichter der aktuellen Werbekampagne der Sparkassen, sie präsentierten gerade für YouTube den "Secret Talents Award" und tauchen immer auf, wenn irgendjemand meint, es müssten mal ein paar frische junge Gesichter vor die Kamera. Nun bekommen die beiden von Pro Sieben auch noch eine Samstagabendshow.

Die heißt 17 Meter und ist eine Mischung aus Quiz und Spiel ohne Grenzen, denn die Kandidaten müssen, bevor sie antworten dürfen, erst einmal einen schweißtreibenden Parcours bewältigen. Ganz neu ist 17 Meter nicht, aufgezeichnet wurden die vier Folgen der Zweistundenshow schon im Herbst in Köln. Der Umstand, dass die Show nun schon eine ziemliche Weile herumgelegen hat, wird von den Verantwortlichen mit der Suche nach einem geeigneten Sendeplatz begründet. Vielleicht ist aber auch jetzt die passende Zeit, weil etwa Pro Sieben die Online-Ankündigung der Show sehr schön mit den Werbebannern der Sparkassenkampagne einrahmen kann.

Natürlich finden die Akteure das alles ganz toll. "Das ist eine wahnsinnig gute Kampagne. Das, was wir da machen, ist der verlängerte Arm unserer MTV-Show", sagt Joachim Winterscheidt, der trotz seiner 32 Jahre gerne Joko genannt werden möchte. Also sieht man Joko und Klaas im lustig gemeinten Wettbewerb miteinander. Man darf zusehen, wie sie sich gegenseitig heruntermachen, wie sie um die Wette eifern und dieses ewige Jungsding durchziehen, das sich letztlich immer um die Frage dreht, wer den längeren hat. Bei Joko und Klaas ist es eingedampft auf sozialverträgliches Ausmaß. Die Unausweichlichen sind immer nur gerade so frech, dass sie bei Sparkassenmanagern vermutlich noch als hip durchgehen.

"Was vor der Kamera passiert, passiert vor der Kamera", sagt Joko und lobt das innige Verhältnis zu seinem Bildschirmgegner, dem fünf Jahre jüngeren Klaas: "Eigentlich ist es die perfekte Beziehung, abgesehen davon, dass ich Frau und Kinder habe." Natürlich geht nicht alles, wenn die beiden aufeinander losgehen. "Es gibt die Grenze der guten Erziehung", sagt Joko, und wenn man ihn auf dem Bildschirm so anschaut mit seiner Nerdbrille, dann glaubt man solch einen Satz sofort. Auch wenn Kollege Klaas für Harald Schmidt gemeinsam mit dem leicht erlahmten Kollegen Jan Böhmermann auf Tour geht, um Menschen zu verarschen, weht ein eher braver Geist durch die Hallen. Frech ja, unverschämt nie.

Joko und Klaas sind die perfekt angepasste Mischung für eine crossmediale Vermarktung. Sie tun niemandem wirklich weh und beherrschen die Kunst des schmerzfreien Aneckens. Endemol, die Produktionsfirma, bei der sie unter Vertrag stehen, preist sie als Nachwuchskräfte an, obwohl sie schon seit vielen Jahren auf dem Schirm sind. "Das hat mit der Außenwahrnehmung zu tun. Wir waren sehr, sehr lange sehr, sehr versteckt", sagt Joko und lobt die Nische, die MTV ihnen zum jahrelangen Ausprobieren frei geräumt hat. "Wir sind auf einem guten Weg, die Fernsehwelt mit frischen Ideen zu versorgen", protzt er in branchenüblichem Sprech. Auf die Frage, ob es bei Pro Sieben nun ernster werde, sagt er: "Nein, aber die Resonanz könnte eine etwas ernstere sein."

17 Meter, Pro Sieben, Samstag, 20.15 Uhr