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Webcomedy:Dompteurin im Klassenzirkus

Lehrerin auf Entzug

Grundschullehrerin Tina (Christine Eixenberger) hat genug vom Homeschooling.

(Foto: Bernd Schuller/ZDF und Bernd Schuller)

Unterrichten von zu Hause aus - kein leichtes Unterfangen, wie Grundschullehrerin Tina in der Webcomedy-Serie "Lehrerin auf Entzug" feststellen muss.

Von Johannes Nebe

Man erwartet so einen Vergleich vielleicht nicht von einer Grundschullehrerin, aber Tina sagt es nun mal so. Die Tafelkreide ist "wie Koks" für sie. Dass Tina im coronabedingten Homeschooling auf Entzug ist, kann man schon am Titel der sechsteiligen Webcomedy-Serie des ZDF ablesen. Kurz gibt es Hoffnung: der normale Schulalltag geht nämlich wieder los. Aber ausgerechnet Tina soll jetzt eine Homeschooling-Musterklasse übernehmen. Mit Video. Vollzeit.

In den eigenen vier Wänden zu arbeiten und ständig vor der Laptop-Kamera zu sitzen, wurde jetzt schon in so einigen Formaten und privaten Gesprächen zur Genüge durchgekaut.

Hier nun werden mal altbekannte Schüler-Stereotype ins digitale Klassenzimmer verlegt. Auch per Videoschalte gibt es die Streberin, die überpünktlich vor der Kamera sitzt und die Lehrerin beim frühmorgendlichen Zähneputzen erwischt. Oder den Schulschwänzer, der jetzt so oft aufs Klo muss. Die Rolle des Klassenclowns aber übernimmt die Serie selbst.

Mal schießt sie schwer über das auf Humor getrimmte Ziel hinaus, manchmal ist sie doch ganz unterhaltsam. Wenn Tina per Live-Übertragung eine Exkursion in den Wald unternimmt, die Klasse aber nur die wild gestikulierende Lehrerin sieht - der Ton ist stumm geschaltet. Simpler Humor, der hier aber funktioniert.

An anderer Stelle ist die Situationskomik arg konstruiert. Natürlich hat Tina ein Oben-ohne-Foto von sich im Bilderrahmen fein säuberlich aufgestellt in der Küche stehen. Natürlich entdeckt eine Schülerin während des digitalen Unterrichts das Foto und spricht die peinlich berührte Lehrerin darauf an. Wenn hingegen in einer anderen Szene Tinas Gesprächspartner unvermittelt aufs Klo rennt und dort kommentarlos gefilmt wird, dann ist das einfach und buchstäblich Fäkalhumor.

Hauptdarstellerin Christine Eixenberger ist da so etwas wie die Dompteurin im Fernsehklassenzirkus. Sie bewahrt die Serie vor zu dollem Klamauk. Neben der Schauspielerei ist sie auch als Kabarettistin unterwegs: Ihre pointierten Monologe und Nachahmungen sind die lebendigsten Momente, gerade weil sie diese mit viel Gespür für Rhythmik und Tonlage versieht.

Kurzweilig? Definitiv. Spürt man das Verlangen, an manchen Stellen die Augen zu verdrehen? Ja. Dass man nach Ende der Serie Entzugserscheinungen bekommt? Unwahrscheinlich.

Lehrerin auf Entzug. In der ZDF-Mediathek und am 28. Juli auf ZDF Neo, 0.45 Uhr.

© SZ/tyc/cag

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