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Comic-Serie: Futurama:Der Pizzabote ist wieder da

Matt Groenings hat einst die "Simpsons" erfunden. Nun kehrt seine Serie "Futurama" zurück ins deutsche Fernsehen.

Die Premiere Ende Juni in New York bei Comedy Central erregte kein Aufsehen. Ein paar Hinweise gab es, ja. Dabei war es außergewöhnlich, dass Matt Groening, der Simpsons-Erfinder, die Wiederbelebung von Futurama verkündeten konnte, sein nach den Simpsons zweites, aber weitaus weniger anerkanntes Werk.

Zeichentrickserie "Futurama"

Reanimierter Zeichentrick

Bereits vor zehn Jahren sollte Groening dem Murdoch-Network Fox eine ähnliche Cash Cow bescheren, wie es zuvor die Simpsons waren. Viele Kritiker halten Futurama sogar für besser, weil noch versponnener und noch schneller getaktet als die Abenteuer der Familie aus Springfield. Doch Groening hatte offenbar den Massengeschmack verfehlt. Hinzu kam, dass Futurama deshalb bald nur noch die Zeit zwischen zwei etablierten Sendungen füllte. Es gab passable, aber keine umwerfenden Simpsons-Quoten. Groenings Futuristen wurden nach vier Staffeln abgesetzt.

Sie traten einen langen Leidensweg an. Zunächst wurden ihre Rechte an den amerikanischen Spartenkanal CartoonNetwork verkauft, der Futurama so ganz nebenbei ausstrahlte - so wie in Deutschland Pro Sieben.

Eine Wiederbelebung des Interesses an Futurama gab es plötzlich durch die DVD-Verkäufe, was erstaunlich war, angesichts der erlaubten und unerlaubten Möglichkeiten, Filme und Serien im Internet herunterzuladen. Vier Episoden wurden in Spielfilmlänge für den DVD-Markt produziert, die eine zusammenhängende Geschichte von fast sechs Stunden Länge darstellen.

Anfang 2009 ersannen die Kreativen um Groening dann einen konsequenten Cliffhanger: den Sprung in eine parallele Dimension. Mit den neuen Folgen wird es auch in Deutschland einen weiteren Versuch geben, Futurama erfolgreich ins Free TV zu bringen. Wieder wird Pro Sieben die 26 neuen Folgen, die Comedy Central in den USA zur Premiere die beste Primetime-Quote in der Sendergeschichte brachten, von diesem Herbst an zeigen.

Promis in Einmachgläsern

Über die Jahre und die vielen Rückschläge hinweg scheint das Autorenteam schmerzfrei und zynisch geworden zu sein. "Gleich werdet ihr euch fühlen, als wäre Futurama niemals von Idioten abgesetzt worden, nur um von noch größeren Idioten wiederbelebt zu werden", heißt es zu Beginn der neuen Staffel. Man sei es "mittlerweile schon gewohnt, letzte Folgen zu schreiben", sagte Co-Produzent David X. Cohen neulich amüsiert. Bislang hat Comedy Central erst eine Staffel bestellt.

Futurama ist die Geschichte des ehemaligen Pizzaboten PhillipJ.Fry, der am Silvesterabend 1999 schockgefroren wird und erst 2999 wieder auftaut. Er trifft auf hedonistische Roboter, geile Mutanten-Frauen und auch auf ein Familienmitglied. Futurama ist aus den klassischen Bausteinen, die bereits die Simpsons tragen, gefertigt: subtiler Humor, exzessives Fluchen weit unter allen Gürtellinien, Promi-Auftritte. Wobei die Promis von den Nachfahren in Einmachgläsern aufbewahrt werden.

Trotz aller Science-Fiction-Anleihen glauben die Autoren nicht an die Heilkräfte der Technologie. Futurama ist als Satire eine perfekte popkulturelle Auslese. Intoleranz, Umweltverschmutzung und Drogensucht sind auch in der Welt von morgen verbreitet, wie der Konsumterror. Wenn die Gegenwart schon so degeneriert ist, warum soll es dann in tausend Jahren besser werden?

Zeichentrickserie "Futurama"

Reanimierter Zeichentrick