Serie "1992" auf Sky:Saubere Hände, schmutziges Geld

Lesezeit: 3 min

1992

Die Mechanismen von Macht, Verführung und Korruption wirkten 1992 ebenso wie heute.

(Foto: Stefano Cristiano Montesi)

Bestechungsgeld verschwindet im Klo. Ein Showgirl schläft sich hoch. Die italienische Politikserie "1992" greift Themen auf, die so ähnlich in der Realität vorkamen - und landete deswegen sogar vor Gericht.

Von Stefan Ulrich

Am 17. Februar 1992 greifen in einem Mailänder Altenheim die "Mani pulite", die sauberen Hände, nach dem schmutzigen Geld. Die sauberen Hände gehören einem Ermittler-Pool um den Staatsanwalt Antonio Di Pietro. Das schmutzige Geld steckt in einem Umschlag, den Mario Chiesa, der Leiter des Altenheims, gerade erhalten hat; und es schwimmt in einer Toilettenschüssel, in der es der sozialistische Lokalpolitiker Chiesa noch schnell entsorgen wollte.

Die düstere und zynische Seite eines schönen Landes

Die beiden Bündel mit Lire-Scheinen sind Bestechungsgeld, das Unternehmer an Chiesa gezahlt haben, um an öffentliche Aufträge zu gelangen. Di Pietro und seine Leute nehmen den Politiker fest.

So beginnt die zehnteilige TV-Serie 1992, die Sky Italia und die Firma Wildside produziert haben. Es ist das erste Mal, dass die legendäre Ermittlung namens "Mani pulite" und der daraus folgende Jahrhundertskandal "Tangentopoli" (Schmiergeld-Stadt) als Fernsehserie aufbereitet wird. Großer Stoff, der die düstere und zynische Seite eines schönen Landes zeigt.

Mit der Festnahme Chiesas begann in Italien damals der Untergang der Ersten und das Heraufziehen der Zweiten Republik. Di Pietros Team wühlte sich durch einen Korruptionssumpf und deckte ein Bestechungssystem auf, durch das sich insbesondere die Regierungsparteien finanzierten. Zahlreiche Politiker und Unternehmer landeten im Gefängnis, einige begingen Selbstmord.

Im Vordergrund stehen fiktive Figuren

Die Parteien der Christdemokraten, die Italien seit dem Zweiten Weltkrieg dominierten, und der Sozialisten unter dem Ex-Regierungschef Bettino Craxi kollabierten. In das Vakuum stießen neue Parteien wie die populistische Lega Nord. Zugleich machte sich ein Mann daran, mit Hilfe von Fernsehen und Werbung die Macht zu erringen: Silvio Berlusconi.

Das ist der Stoff, aus dem 1992 schöpft. Die Serie verzichtet allerdings darauf, die Ereignisse aus Sicht eines realen Helden wie Di Pietro zu erzählen, was nahe gelegen hätte. Im Vordergrund stehen fiktive Figuren, deren Leben durch Mani pulite und Tangentopoli durcheinandergewirbelt wird.

Da ist der junge, an Aids erkrankte Polizist Luca Pastore, der sich zum Mailänder Ermittler-Pool versetzen lässt, um einen Racheplan zu verfolgen; oder der früher im Irak eingesetzte Ex-Soldat Pietro Bosco, ein brutaler Verlierertyp voller Ressentiments, der in der Lega Nord Karriere macht und Abgeordneter in Rom wird.

Das Showgirl Veronica Castello, das sich in eine prominente Fernsehsendung hochschläft, steht prototypisch für manche junge Italienerin damals und heute, für die es nichts Erstrebenswerteres im Leben zu geben scheint, als ein TV-Sternchen zu werden. Veronica Castello tut dafür fast alles.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB