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Scripted Reality:Frisches fürs Vorabendprogramm

Bergengruen wird bald den NDR-Produktionsriesen Studio Hamburg leiten. Dort ist man übrigens nach SZ-Informationen in die Arbeiten an zwei Formaten mit Scripted-Reality-Elementen involviert: Eins über einen Dorfpolizisten, eins über das Phänomen Kreuzfahrt, Traumschiff inklusive.

"Das stimmt nur zum Teil", erklärt NDR-Programmdirektor Beckmann auf Anfrage. Der Sender prüfe gerade, ob es gelingt, "fiktionale Geschichten mit einfacheren Produktionsmitteln zu erzählen". Wie das konkret aussehen könnte, "darüber machen sich Kolleginnen und Kollegen auf meinen Wunsch hin derzeit Gedanken". Die Kriterien seien "keine Krawallgeschichten, kein Vorführen von Menschen, klare Kenntlichmachung" - das Fiktionale soll der Zuschauer verstehen. Es gehe um "neue Produktionsformen und Möglichkeiten, Geschichten zu erzählen", etwa mit "EB-Kameras" und ohne gesetztes Licht - bei diesen "Denkansätzen" von Scripted Reality zu reden, sei "Etikettenschwindel", sagt er.

Beckmann, einst Chef des Kinderkanals, ist auch für das ARD-Vorabendprogramm zuständig. Hier, wo es um Werbeaufträge geht und um Reaktionen auf die starke private Konkurrenz, sind neue Ideen nötig. Klappt das nicht ohne billiges, fiktionales Reality-TV? Nur wenn die entwickelten Formate den eigenen Ansprüchen genügten, "werden sie auch tatsächlich auf Sendung gehen", sagt Beckmann. Über Kosten und Details will er nichts verraten, nur: Man müsse "gegebenenfalls auch einmal etwas ausprobieren dürfen - zumindest als Pilot".

Und warum nähert man sich ausgerechnet den drei Produktionsfirmen, die für RTL das angeblich vermaledeite Scripted Reality aufbereiten? Was da produziert werde, "kommt für uns niemals in Frage", erwidert Beckmann, "darum ging es mir auch nie". Im Übrigen gehe "die Freiheit der Redaktionen im NDR so weit, dass sie mit Produktionsfirmen reden dürfen, ohne vorher den Intendanten zu fragen".

Sein Fazit: "Denkverbote darf es nicht geben."