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Schweiz:NZZ.at entlässt die Hälfte der Mitarbeiter

Der digitale Österreich-Ableger der NZZ baut um. Einige Inhalte steuert künftig das Mutterhaus von Zürich aus bei.

Von Ruth Eisenreich

Er sollte den eher schwach besetzten österreichischen Qualitätszeitungsmarkt aufmischen und beweisen, dass ein kostenpflichtiges Onlinemedium funktionieren kann; er war auch als Testlauf für eine mögliche Expansion der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ)

nach Deutschland gedacht. Nun, kaum mehr als ein Jahr nach dem Start, baut die NZZ ihren Österreich-Ableger nzz.at um und entlässt fast die Hälfte der Mitarbeiter. Internationale Themen soll nzz.at in Zukunft nicht mehr selbst bearbeiten, sondern von den Kollegen aus dem Schweizer Mutterhaus zugeliefert bekommen. Auch Technik und Marketing ziehen in die Schweiz. Von 20 Mitarbeitern müssen neun bis zum Herbst gehen, darunter vier Journalisten. Es ist offenbar ein Versuch, nzz.at vor dem Untergang zu retten.

Man "evaluiere" die Weiterführung

Statt "halbnervösem Nachrichtengrundrauschen" solle nzz.at eine "Kombination aus Echtzeit- und Magazin-Feeling" bieten: So hatte Chefredakteur Michael Fleischhacker der SZ zum Start seinen Plan für nzz.at geschildert. Seine Redakteure hatte er von den Tageszeitungen Standard und Presse und von verschiedenen preisgekrönten Medien-Start-ups abgeworben, alle waren unter 40 und freuten sich, etwas Neues ausprobieren zu können.

Der jetzige Umbau kommt für die Mitarbeiter wohl nur bedingt überraschend. Die Abo-Zahlen von nzz.at lagen von Anfang an unter den Erwartungen. Im Herbst gab es bereits einen Relaunch der Seite. Im Dezember brachte die nzz.at auch ein Printmagazin heraus - Beobachter interpretierten schon das als Anzeichen von Panik, Chefredakteur Fleischhacker gilt als Print-Skeptiker. Das Magazin sei erfolgreich gewesen, schreibt eine Sprecherin nun auf Anfrage, man "evaluiere" eine Fortführung.

Generell gibt man sich trotz der Abo-Zahlen zufrieden mit der Entwicklung von nzz.at. "Anpassungen und Weiterentwicklungen sind für ein junges Medium nichts Ungewöhnliches", schreibt die Sprecherin: "Gerade weil wir an das Produkt glauben, bauen wir es jetzt um."

© SZ vom 16.03.2016/cag
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