Schüler-Mobbing im Internet Lügen und Videos

Mobbing im Internet unter Schülern ist zur Massenplage geworden: Arte nimmt sich des Themas in "Homevideo" an. Der prämierte Film veranschaulicht die Reichweite der Schikanen - sie sind schwer zu ertragen.

Von Caroline Ischinger

Es ist eine der Szenen, in denen der Zuschauer kurz hoffen kann, um dann sofort enttäuscht zu werden. Der 15-jährige Jakob besucht mit seinen Eltern eine Schule. Es soll ein Neuanfang sein. Auf der alten Schule hatte sich ein selbstgedrehtes Video von Jakob verbreitet, das niemand hätte sehen sollen und in die falschen Hände geriet. Die Direktorin der neuen Schule lächelt sanft, führt ihn durch das Gebäude. Doch am Ausgang begegnet Jakob diesem Jungen, ihre Blicke treffen sich. Der Junge lächelt, nein, er grinst, ein bisschen zu sehr.

Schüler im Internet: Mobbing im Netz betrifft mittlerweile jeden dritten Jugendlichen in Deutschland.

(Foto: ddp)

Homevideo von Kilian Riedhof (Regie) und Jan Braren (Buch) erzählt, wozu Mobbing im Internet unter Schülern führen kann - ein Thema, das mittlerweile jeden dritten Jugendlichen in Deutschland betrifft.

Was der Film erfreulicherweise zeigt: Das Netz ist nicht der Grund, warum Jugendliche andere terrorisieren, aber Schülernetzwerke und Chatrooms laden zum Mitmachen ein - und verstärken die Reichweite der Schikanen. So wird für Jakob, dessen Verzweiflung Jonas Nay überzeugend spielt, auch der Fluchtweg zur neuen Schule nur eine weitere Sackgasse.

Der Film ist nicht leicht zu ertragen. Benedict Neuenfels, der für Homevideo den Deutschen Kamerapreis gewann, bleibt nah dran an den Figuren und legt ihre Gefühle offen. Weil die Jugendlichen dabei so reden wie Jugendliche, wirkt auch die Verliebtheit zwischen Jakob und Hannah (Sophia Boehme) nicht peinlich, sondern berührt.

Schade ist, dass der Film die möglichen Erklärungen für sein bitteres Ende wie eine Liste abarbeitet: die Schulkameraden, die sich ihrer Schadenfreude hingeben; die Lehrerin, die nichts davon mitkriegt - und vor allem Jakobs Eltern, deren Ehe zerbricht.

Mutiger wäre es gewesen, wenn Homevideo dem Täter Henry (Jannik Schümann) mehr Zeit gewidmet hätte. Als Henry Jakobs Video entdeckt, purzelt er schrill lachend über das Hochbett. Sein Kumpel Erik will die Speicherkarte wegwerfen, aber Henry hält ihn davon ab. "Das ist Herrschaftswissen", sagt er. Henry sucht Macht. Was ihn antreibt, sie gnadenlos auszuspielen, bleibt offen.

Homevideo, Arte, 20.15 Uhr.

Prominente Anti-Nachbarn

Der Schrecken von nebenan