"Schmidt - Chaos auf Rezept" auf RTL Beschwipst in Berlin

Die Ärzte Eva (Julia Hartmann) und Adam (Lucas Gregorowicz) in "Schmidt - Chaos auf Rezept".

Er heißt Adam, sie heißt Eva, und beide heißen sie Schmidt. Trotz der lächerlich anmutenden Grundkonstellation zeigt RTL mit "Schmidt - Chaos auf Rezept" eine überraschend großartige Arztserie.

Von Hans Hoff

Eigentlich stimmt nichts an dieser Serie. Die Bilder sind zu bunt, die Geschichten riechen verdächtig nach Vorabendhölle, und die Ausgangslage wirkt, als sei sie einem Drehbuchkurs für Anfänger entnommen. Da hat das Schicksal zwei junge, gutaussehende Ärzte in einer Berliner Kiez-Praxis zusammengewürfelt. Er heißt Adam, sie Eva. Er hat im Krankenhaus versagt, sie ist auf dem aufsteigenden Ast. Es kommt noch schlimmer, denn beide heißen Schmidt, und das spiegelt sich zusätzlich im saublöden Titel. Er liebt sie, und sie liebt ihn, nur wissen sie beide das nicht.

Nichts stimmt, und es funktioniert doch. Es ist die Leichtigkeit der Inszenierung, die dieses profane Stück Serienfernsehen zum Lichtblick werden lässt. Die Dialoge sind in der Mehrzahl gut komponiert, das Timing stimmt, und, ganz wichtig, die Darsteller sehen bombig aus. Das dürfte entweder komplett floppen oder aber für ein Licht am Ende des Quotentunnels sorgen. Bekanntlich hat RTL jüngst nicht viel Glück mit deutschen Serien gehabt. Drei sind kürzlich krachend gescheitert. Da käme ein Erfolg nicht ungelegen.

Toller Protagonist fürs Romantisch-Witzige

Zu verdanken wäre der dem Regisseur Alexander Dierbach, vor allem aber dem Hauptdarsteller. Lucas Gregorowicz ist Adam, ein Möchtegern-Rock'n'Roller mit grundgutem Herzen und Kittelallergie. In seiner Freizeit boxt er und legt alles flach, was nicht bei drei auf den Bäumen ist. In Wahrheit liebt er seine Kollegin, aber das darf er nur ahnen, damit er öfters rätselnd und rauchend auf dem Praxisdach über die eigenartige Welt sinnieren kann. Gregorowicz gibt seinem Adam eine sehr feine Präsenz mit, stattet ihn mit lapidarer Gelassenheit aus und ist damit ein toller Protagonist fürs Romantisch-Witzige.

Julia Hartmann als Eva Schmidt sieht auch gut aus, kann mit dem sympathisch verschrobenen Charme ihres Kollegen indes nur bedingt konkurrieren. Trotzdem gelingen auch ihr nette Momente. Das Beste an dieser Serie, die gelegentlich wirkt, als sei sie eine beschwipste Jugendversion von Günter Fitzmanns Praxis Bülowbogen, ist indes, dass sie ihr Tempo und ihren Witz nicht verliert. Die vier Autoren halten das hohe Anfangsniveau spielend durch. Das schaut man gerne an, weil dieses Fernsehen nie behauptet, mehr zu sein, als es ist. Es passt zu Chips und Prosecco, aber auch zu Himbeersaft und Törtchen. Einfaches Gutfühlfernsehen mit Pfiff, das gab es lange nicht mehr.

Schmidt - Chaos auf Rezept, RTL, 21.15 Uhr.