Schauspieler Vadim Glowna wird 70 "Klaus Mann lügt"

Man hört ihm ganz gerne zu, das haben schon viele festgestellt - besonders viele Frauen, die wie verzaubert sind, wenn er über die "Peinlichkeit von Erektionen" spricht. Möglicherweise geht der Zauber vom Klang seiner Stimme aus.

Nie die großen Rollen

Seine Stimme hat einen nasalen, traurigen Klang. Sie unterstützt dabei auf natürliche Weise, was er spielt. Sie ist sein fünftes Element. Sie macht das Böse böser und das Gute besser, und das Normale klingt normal.

Vadim Glowna ist ein Vielspieler. Traumschiff und Oscar-Röhler-Kino, Tatorte, Polizeirufe. Er ist immer engagiert, wenn Literatur verfilmt wird. Böll (Gruppenbild mit Dame), Walser (Ein fliehendes Pferd), Frisch (Blaubart) oder Feuchtwanger (Exil). Die großen Rollen sind es nicht. Es macht ihm keine Probleme, das auch so auszusprechen.

Wurde eigentlich über früher gesprochen, damals, 1961 bei Gründgens in Hamburg? Nein, "das Thema wurde umgangen." Schweigen. "Aber "Klaus Mann lügt".

Klaus Mann hat seinen einst geliebten Freund Gustaf Gründgens literarisch als höfischen Nazi-Opportunisten Hendrik Höfgen auftreten lassen. Manns Roman Mephisto (das war ja die Lebensrolle für Gründgens) sei "ein Rachebuch", sagt Glowna: "Brillant geschrieben, und vieles erscheint glaubwürdig. Ein bisschen wird auch stimmen. Aber es gab nicht nur den Gründgens, den Klaus Mann vermittelt. Gründgens hatte andere Seiten."

Glownas Familie stammt aus Polen. Sein Großvater war ein Franzose polnischer Herkunft. Seine Mutter gefiel der russische Name: Vadim. Glowna wurde in Schleswig-Holstein geboren, in Eutin, er wuchs in Hamburg auf. Sein Siefvater fuhr zur See, später flog er als Kapitän für die Lufthansa. Glowna wusste früh, dass er Schauspieler werden wollte. Kein akademisches Studium, stattdessen Leben, oft auf der Straße. Er wurde geschlagen, schlug wohl auch selbst zu. Einmal brach die Nase. Seither steht sie ihm gut.

Gründgens mochte ihn. Der Junge durfte beim Alten in den Proben sitzen, ganz hinten. Er bekam kleine Rollen, die erste in Faust II (Später wird Glowna in einer gefassten Art von Erschütterung schildern, wie er an der Düsseldorfer Kunstakademie, wo er eine Professur für Film und Regie hatte, über Faust und Faust II sprach, und ein Student rief: ,Was, die haben ein Remake gemacht?').

Ein erfahrener Schauspieler, den Gründgens rechtzeitig in die Emigration geschickt hatte und der 1961 nach Deutschland zurückgekehrt und wieder bei Gründgens im Ensemble war, fragte eines Tages: "Herr Glowna, was für eine Art von Schauspieler wollen Sie werden? Wollen Sie werden wie Quadflieg, ein schöner Mann, beeindruckend, Schlag bei den Frauen, viel Applaus? Oder wollen Sie werden wie Gründgens?'" Das, sagt Glowna, habe "so ein bisschen die Richtung vorgegeben".