RTL-Show "Adam sucht Eva" Jeder mit der einen

Wenn der Adam mit der Eva: Thomas und Ricarda bandeln an. Und das im Paradies.

(Foto: RTL / Andreas Friese)

In der Datingshow "Adam sucht Eva" präsentiert RTL drei paarungswillige Nackte. Die scheinen sogar auf ihre Kosten zu kommen. Doch bevor alle Skandal rufen: Für den Zuschauer sind die erotischen Momente eher dünn gesät.

Von Paul Katzenberger

In der biblischen Schöpfungsgeschichte heißt es: "Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn, und er schuf sie als Mann und Weib." Die zwei Erschaffenen heißen Adam und Eva, wie hinlänglich bekannt ist, und sie lebten im Garten Eden, heute meist "Paradies" genannt.

Ins Paradies entführt uns nun auch das Fernsehen, und zwar in eines, das dem biblischen Garten Eden gleicht, als dort noch alles in Ordnung war: Im TV-Paradies begegnen wir Adam und Eva wie Gott sie schuf - splitterfasernackt. Das ist im biblischen Sinne ein sehr positives Signal. Es bedeutet nämlich ganz einfach, dass diese Eva diesen Adam noch nicht zur Erbsünde verführt hat. Erst danach mussten sie und er sich in der Bibel bekanntermaßen mit Feigenblättern einkleiden.

Die textile Abfolge

Das könnte also der Beginn einer wunderbaren Geschichte sein, doch Achtung: Wir sind hier nicht im ersten Buch Mose. Wir sind bei RTL in der Sparte Dating-Shows, einem Genre, das nicht immer christlichen Werten entsprochen hat, als es etwa bei "Bauer sucht Frau" "raubeinige Rinderwirte" oder schwer vermittelbare Muttersöhnchen unter die Haube bringen wollte. Das Schamgefühl wurde da oft strapaziert. Jetzt sind die Aspiranten also nackt, die neue RTL-Show heißt "Adam sucht Eva - gestrandet im Paradies". Ob das gut gehen kann?

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Im biblischen Sinne könnte es durchaus klappen, denn Thomas und Ricarda, wie der RTL-Adam und seine Eva tatsächlich heißen, verbringen den ersten Tag gemeinsam nackt auf ihrer Paradies-Insel in der Südsee, bevor sie sich in voller Montur wiedertreffen, um zu entscheiden, ob sie zusammenpassen. Von der textilen Abfolge her machten das Adam und Eva im Garten Eden kein Deut anders.

Zweit-Adam Riccardo

Doch bei RTL geht's mit biblischen Entwicklungssträngen schon mal ein bisschen durcheinander: Die Schlange der Verführung gibt's zwar auch hier, doch die Scripted Reality will, dass sie in Form eines zweiten nackten Adams auf die Bühne tritt. Da geht es dann schnell sehr weltlich zu im Südsee-Paradies, wenn zwei Gockel um dasselbe Weibchen balzen.

Zweit-Adam Riccardo hat schließlich gut Muckis, auch wenn er erst einmal treuherzig versichert, dass "Nacktsein auf keinen Fall für ihn natürlich ist." Als er das beschwört, wirkt er noch einigermaßen authentisch. Ganz allein sitzt er auf seinem Floß mit dem er die Südsee-Insel ansteuert, auf der Ricarda und Thomas schon eine Nacht lang in ihrer "romantischen Hütte" gekuschelt haben, wie die Aufnahmen der RTL-Infrarotkamera beweisen.

Das ist dann aber auch schon fast die einzige Indiskretion, die diese vermeintlich skandalöse Sendung bereithält. Denn bei den Nacktbildern bleibt RTL tatsächlich seiner Ankündigung treu, die Kamera konservativ einzusetzen. Für die zwei Adams und die eine Eva mag es vor Ort erotische Momente aufgrund der Textilfreiheit geben, für den Zuschauer ist das eher nicht der Fall.

"Ist ja meine Eva"

Dazu werden die Dialoge schnell hölzern, wir sind schließlich trotz allem in einer kruden Doku-Soap des deutschen Privatfernsehens.

Das hört sich beim ersten Treffen von Eva und dem Zweit-Adam am Strand so an:

Ricarda: "Ich bin schon so hier auf der Insel und jetzt kommt hier noch so ein Adam dazu."

Riccardo: "Na ist doch schön, oder nicht?"

In dem Stil geht es weiter, dann kommt Ur-Adam Thomas dazu:

Thomas: "Was machst Du jetzt hier genau?"

Riccardo: "Ich suche Eva."

Thomas: "Ja, geht ja nicht, ist ja meine Eva."

Die weitere Dramaturgie der neuen RTL-Sendung ist damit schon so gut wie klar: Riccardo und Thomas verwickeln sich in einen Kampf um Ricarda, bei dem Thomas seinen ursprünglichen Vorteil als erster Hahn im Korb zunächst zu verlieren scheint. Denn Riccardo putzt ihn nicht nur im Mal-Wettbewerb weg, sondern punktet bei Ricarda auch als Mann von Welt: "Ich bin einfach mal so auf 'nen Kaffee in Barcelona."

"Super-süße Gesten"

Doch am Schluss muss sich Ricarda nach Aufforderung von Moderatorin und Ex-Telenovela-Sternchen Nela Lee entscheiden, und sie ringt sich zum ersten Adam Thomas durch, auch weil er ihr mit "super-süßen" Gesten (Basteln einer Muschelkette) imponiert hat. Dass der Sieger-Adam im Anschluss auch Ricarda formal erwählen muss, hätte von RTL nicht mehr inszeniert werden müssen: Der Mann hat sein Interesse an dieser Frau schon im Showdown mit Riccardo bewiesen.

Für eine Dating-Show ist das kein schlechtes Ergebnis: Jeder will auf Anhieb mit der einen, irgendwie - zumindest auf den ersten Blick. Ist Nacktheit also doch eine Riesenchance für Singles, sich anders kennenzulernen? Das zumindest propagiert RTL. Womöglich schon, zumindest was das Kennenlernen angeht. Aber eine Riesenchance? Ist es wohl eher für RTL: die sündige Quote.

Anmerkung die Redaktion: Die "sündige Quote" lag bei 15,5 Prozent.