Rammstein-Doku auf Arte:Mehr geht nicht

Rammstein in Amerika

Rammstein im New Yorker Madison Square Garden: Es gibt keine deutsche Band, die mehr in den USA erreicht hätte.

(Foto: Arte/Guido Karp)

Rammstein hat mehr für die deutsche Sprache im Ausland getan als das Goethe-Institut. 2010 spielte die Band im Madison Square Garden. Arte zeigt den Film dazu.

Von Johannes Boie

Wenn in Los Angeles oder in Omaha, Nebraska, oder auch in Frankfort, Kentucky, irgendjemand bemerkt, dass man aus Deutschland kommt, dann kommt die Frage nach Rammstein oft schneller als die nach dem Oktoberfest. Rammstein. "Do you know this song? Du. Du hast. Du hast mich. Du hast mich. Du hast mich gefragt. So you know this? Hell yeah, Rammstein." Hell yeah, Rammstein hat mehr für die deutsche Sprache im Ausland getan als das Goethe-Institut.

Im Jahr 2010 spielte die Band in den USA im New Yorker Madison Square Garden ein Konzert, denn Liebe ist für alle da. Damals war Rammstein zehn Jahre nicht in den USA gewesen. Und dann gleich: die berühmteste Halle der Welt. Amerikanisches Symbol, 20 000 Leute passen rein. 20 000 Leute wollten rein. Nach 20 Minuten war alles ausverkauft.

Es gibt keine deutsche Band, die mehr in den USA erreicht hätte als Rammstein. Die Frage ist jetzt: Wie bannt man den sagenhaften Erfolg dieser Kunstband in ein paar Stunden auf Arte? Gedanken gemacht haben sich der österreichische Regisseur Hannes Rossacher und die Programmplanung beim Sender. Letztere kam auf die Idee, nach Rossachers Doku das Konzert aus dem Madison Square Garden zu zeigen. Gute Entscheidung.

Rossacher hingegen hat einfach auf die richtigen Gesprächspartner gesetzt. 24-Star und Rammstein-Fan Kiefer Sutherland, Chad Smith, Schlagzeuger der Red Hot Chili Peppers, Iggy Pop, Marilyn Manson, Steven Tyler und Scott Ian von der Metal-Band Anthrax. Und da sind gerade mal drei Minuten rum.

Das Ganze ist kurios, weil die Interviews zu Beginn der Doku mit frühen Aufnahmen der Bandmitglieder gegengeschnitten sind. Es ist die Entdeckung Amerikas durch Männer, die wenige Monate später Rammstein sein würden. Till Lindemann ist da zu sehen, urkomisch in bunten Klamotten, seine erste Reise nach dem Mauerfall. Gleich rüber in das Land, das ihm jahrelang als Erzfeind beschrieben wurde. Da lernte er, dass das Wort "fine" aus dem Mund eines Polizisten nicht nur "gut" heißt, sondern auch "Strafzettel". Der Beginn einer steilen Lernkurve, die auch beinhaltete, dass man nicht in jedem Bundesstaat schwulen Sex auf der Bühne faken sollte, weil man sonst direkt von der Bühne ins Gefängnis geht.

Vor allem aber hat das sozialistische Kollektiv Rammstein kapiert, wie Amerika funktioniert. Lindemann: "Immer 100 Prozent." Rammstein gibt allerdings auf der Bühne gerne auch mal 200 Prozent. Die Band lernte von Gene Simmons von Kiss, man tourte zusammen. Simmons Lehre ist: "It's your job to give the fan bang for the buck!" Showbusiness ist vor allem Show, das funktioniert auf der ganzen Welt, aber nirgendwo so gut wie in den USA, dem Mutterland der Unterhaltung, wo David Lynch Rammstein in Lost Highway verwendete. Mehr geht nicht.

Ein Abend mit Rammstein, Arte, Die Sendung vom 24.10.2015 hier in der Arte-Mediathek.

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