Presseschau zum Anschlag in Paris "Ein Angriff auf die Freiheit überall"

Mächtiger als ein Gewehr: Eine Karikatur von "MacLeodCartoons", die am Donnerstag im San Francisco Chronicle erscheint.

(Foto: AP)

Die Titelseiten tragen Trauer, viele erscheinen in Schwarz: Zeitungen und Karikaturisten weltweit bringen ihre Solidarität mit "Charlie Hebdo" zum Ausdruck. Auch viele Nachrichten-Websites gedenken der toten Journalisten.

"Je suis Charlie" - "Ich bin Charlie": So bekunden seit Mittwochnachmittag die Menschen ihre Trauer und Solidarität mit den Opfern des Anschlags auf die französische Satirezeitschrift Charlie Hebdo in Paris. Sie wollen damit auch ein Zeichen setzen: für Pressefreiheit, für freie Meinungsäußerung, gegen die Angst. Viele Zeitungen weltweit schließen sich dem an, etwa die französische Libération, mit einer schwarzen Seite eins und dem Satz "Wir sind alle Charlie".

Nahezu sämtliche französischen Zeitungen tragen am Donnerstag Trauer, so auch Le Figaro und L'Humanité, die auf ihren Titelseiten schreiben, dass es sich bei der Tragödie in Paris um einen Anschlag auf die Freiheit gehandelt habe: "La liberté assassinée". L'Humanité präsentiert sich auch auf ihrer Homepage in Schwarz.

Die Internetseite von L'Humanité.

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Am Donnerstag, den Frankreichs Präsident François Hollande zum Staatstrauertag ausgerufen hat, erklären auch internationale Zeitungen und Medienhäuser ihre Solidarität. Die New York Times erinnert daran, dass die französische Zeitung Le Monde nach den Anschlägen des 11. September erklärte: "Wir sind alle Amerikaner" - jetzt also: "Wir sind alle Charlie". Weiter schreibt die New York Times mit Blick auf Paris: "Dieser Anschlag war ein Angriff auf die Freiheit überall."

Der britische Independent druckte auf seiner Titelseite eine Karikatur, auf der aus dem blutbefleckten Charlie Hebdo eine Hand einen Stinkefinger zeigt. Die Zeitung schreibt: "Alle Presseorgane, in der arabischen Welt ebenso wie im Westen, sollten die ermordeten Zeichner von Charlie Hebdo als Märtyrer betrachten."

Solidarität vieler deutscher Zeitungen

Die Titelseite der B.Z. aus Berlin zeigt Charlie Hebdo-Karikaturen, im Kommentar dazu heißt es: "Wir bei der B.Z. können nicht über alles lachen, was da gezeichnet und geschrieben wurde. Manche von uns sind Christen, andere Moslems oder Atheisten. Einige mögen Merkel, andere Hollande und die Sozialisten. Trotzdem müssen und wollen wir nun auf unserer Seite Eins die Titelbilder der Kollegen aus Paris veröffentlichen, die starben, weil sie das wichtigste Grundrecht in Anspruch nahmen, was es gibt: Die Freiheit, zu sagen, zu zeichnen, zu schreiben, was man denkt. Dieses Recht zu verteidigen ist unsere wichtigste Aufgabe."

Viele weitere deutsche Zeitungen widmen ihre Titelblätter Charlie Hebdo, die meisten in Schwarz.

Reaktionen aus Dänemark

Während andere dänische Zeitungen eigene oder Charlie Hebdo-Karikaturen auf ihre Titelblätter druckten, erschien die Jyllands-Posten am Donnerstag mit einem schwarzen Titelblatt. Darauf steht ein kurzes Zitat: "Der Terroranschlag erinnert uns daran, dass die freie Welt ihre demokratische Gesellschaftsordnung gegen religiösen Wahn verteidigen muss." Jyllands-Posten hatte im September 2005 mit dem Abdruck mehrerer Mohammed-Karikaturen weltweit für Aufsehen gesorgt. In mehreren muslimischen Ländern kam es deshalb zu gewaltsamen Protesten. Charlie Hebdo hatte die Karikaturen einige Monate später ebenfalls abgedruckt.

Der dänische Zeichner Kurt Westergaard, der hinter einigen der Karikaturen stand, war im Jahr 2010 einem Anschlagsversuch auf sein Haus entgangen. Im dänischen Radiosender DR zeigte er sich am Mittwoch schockiert über den "fürchterlichen und abscheulichen" Anschlag in Paris. Westergaard erinnerte daran, dass er selbst nach wie vor unter Polizeischutz stehe.

Englische Sun zeigt brutales Foto

Englische Titelseiten hielten sich mit Karikaturen zurück und zeigten stattdessen Fotos vom Tatort, der Guardian druckte ein Bild von einer der Trauerkundgebungen tausender Menschen am Abend in Paris. Boulevard-Blätter wie The Sun und Daily Mail , aber auch konservative wie die Times zeigen auf ihren Titelblättern ein brutales Foto der vermummten Täter beim Schießen auf einen Polizisten, eines der Opfer des Anschlags.

Aufruf zur Differenzierung

Der österreichische Standard aus Wien weist auf den Missbrauch des Islam hin, den terroristische Anschläge bedeuten: "Viele Muslime weltweit sind schwer erschüttert über das, was sich heute des Namens Islam bedient - etwa, am schlimmsten, der "Islamische Staat". Der Islam ist in der vielleicht finstersten Periode seiner Geschichte. Eine Katharsis vorauszusagen, das wäre am Tag des Verbrechens von Paris unangebracht. Aber Abscheu und Widerstand wachsen auch da, wo es am wichtigsten ist - unter Muslimen. "

Scharfe Kritik aus der islamischen Welt

So verurteilt zum Beispiel die arabische Tageszeitung Al-Sharq Al-Awsat diejenigen Muslime, die die Anschläge rechtfertigen: "Wer die Mörder entschuldigt, gewährt ihnen Deckung und Legitimität, und das in einer Zeit, in der wir an der Spitze der scharfen Verurteiler und Kritiker stehen müssen." Diejenigen, die Terroristen und ihre Verbrechen verteidigten, heißt es dort, müssten die Größe des Verbrechens kennen, das sie selbst begehen: "Was sie seit Jahren machen, führte dazu, dass der Terrorismus in unserer Region heimisch wird, und zwar durch mediale Schirmherrschaft, politische Rechtfertigungen und finanzielle Hilfe."

Schließlich gibt es die vielen trauernden Kollegen der ermordeten Karikaturisten, die noch am Tag des Anschlags ihre Trauer, aber auch ihre Furchtlosigkeit mit Zeichnungen zeigten.