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Presseschau zu Aleppo:Bestürzung in der Presse: "Aleppo stirbt"

Executions reported as Aleppo battle nears end

"Aleppo ist auch das Symbol für eine hilflose internationale Gemeinschaft, der nur die eigene Betroffenheit bleibt", schreibt der österreichische Standard.

(Foto: Karam al-Masri/AFP)

Journalisten verfolgen mit Schrecken das Geschehen in Syrien: Aleppo sei das Symbol für eine hilflose internationale Gemeinschaft, "der nur die eigene Betroffenheit bleibt".

Die Welt blickt auf das syrische Aleppo. Auch nach der weitgehenden Eroberung der Stadt können die Zivilisten die letzten umkämpften Gebiete nicht wie geplant verlassen - Assads Truppen bombardieren weiter. (Die aktuellen Entwicklungen lesen Sie hier.) Die internationale Presse verfolgt mit Schrecken das Geschehen aus der Ferne.

The Guardian

Im Guardian fühlt die amerikanische Kriegsreporterin Janine di Giovanni mit den Menschen, die aus ihrer Heimat vertrieben werden. "Ich denke an die Menschen, die in Kellern kauern und mit der Entscheidung hadern, ob sie aus ihrer Stadt fliehen oder besser abwarten sollen. Wer kommt, um sie zu retten - oder zu töten?"

Auf Twitter schrieb Di Giovanni vor einigen Tagen, sie fühle sich als Versagerin, da 25 Jahre Kriegsberichterstattung nichts gebracht hätten. Je weiter ihr Tweet sich im Netz verbreitete, so die Journalistin, desto mehr habe sie gemerkt, wie viele Menschen den Konflikt in Syrien missverstehen.

Der Standard

Auch der österreichische Standard beleuchtet das Leid der Zivilisten. Eine geschundene Bevölkerung sei einem verbrecherischen, von einem starken Partner Russland und von fremden Milizionären gestützten Regime ausgeliefert, nachdem das Rebellennetzwerk zusammengebrochen sei, dessen Priorität ohenhin nicht das Überleben der Zivilisten gewesen sei. "Aleppo ist auch das Symbol für eine hilflose internationale Gemeinschaft, der nur die eigene Betroffenheit bleibt."

Libération

Frankreichs linksliberale Libération fragt sich, was man denen entgegnen soll, die auf der Seite von Wladimir Putin und Baschar al-Assad stehen? "Was soll man denen sagen, die die Welt täuschen, indem sie glauben machen, dass Assad und Putin gegen den Terrorismus kämpfen? Nur, dass alles, was sich unter ihren Augen und in Echtzeit in Ost-Aleppo abspielt, sie mitschuldig macht an Kriegsverbrechen. Und dass es nicht möglich ist, dass sie es nicht wussten."

Ouest France

"Aleppo stirbt und leert sich unter einem Munitionshagel", schreibt die Zeitung Ouest France aus Rennes. "Assad und Putin haben jene Methode angewandt, mit der die russische Armee einst die tschetschenische Hauptstadt Grosny 'säuberte'."

Corriere della Sera

Im Corriere della Sera fragt die italienische Schriftstellerin Dacia Maraini, wie lange die Stimmen aus dem fernen Aleppo um Hilfe flehen, die nicht kommen werde? Ihre Erkenntnis ist ernüchternd: "Die Globalisierung hat uns alle näher gebracht, aber nicht solidarischer gemacht oder so, dass wir mehr Anteil nehmen am Schmerz der anderen." Es sei schwer, sich nicht zu fragen, was man selbst tun könne "für diese armen Menschen, die an Hunger, am Terror und an diesem brutalen Warten auf den Tod sterben".

© SZ.de/dpa/cag/jobr/lalse

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