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Rezension des Journalistenbuchs "Ich lass mir den Mund nicht verbieten!":Ein langer Weg

Michael Haller, Walter Hömberg (Hrsg.): "Ich lass mir den Mund nicht verbieten!" Journalisten als Wegbereiter der Pressefreiheit und Demokratie. Reclam Verlag, 2020, 286 Seiten, 24 Euro.

(Foto: Reclam Verlag)

Ein Sammelband stellt 60 Wegbereiterinnen und Wegbereiter des Journalismus vor.

Von Alexandra Föderl-Schmid

Journalisten sind Wegbereiter der Demokratie, Pressefreiheit ist unabdingbar für ihre Aufklärungsarbeit. Wie hart diese Grundbedingungen erkämpft wurden, davon zeugen die 60 feinen Porträts, die Michael Haller und Walter Hömberg in diesem Band versammelt haben. Die beiden Herausgeber, die als Professoren Generationen von Journalisten geprägt haben, setzen ihren Schwerpunkt auf die deutschsprachigen Länder, haben aber auch den angelsächsischen Raum im Blick.

Nicht von ungefähr beginnt der historische Abriss über die Ausgestaltung von Pressefreiheit und Demokratie mit der Aufklärung. Während hierzulande noch Kirchenfürsten und die feudalen Eliten regierten, entwickelte sich zu Beginn des 18. Jahrhunderts in England mit dem Parlamentarismus auch eine neue Form des Journalismus, die auf der "Macht der Evidenz" gründete. Einer der ersten, der öffentlich über die Aufgabe und Gefährdungen des Journalismus räsonierte, war Daniel Defoe - der einer breiten Öffentlichkeit erst durch seinen im Alter von knapp 60 Jahren verfassten Roman "Robinson Crusoe" bekannt wurde.

Leider endet der historische Bogen im 20. Jahrhundert

So kann man mit den Porträtierten durch die Geschichte und die Geschichten wandern. Es sind auch einige wenige Frauen dabei. Hedwig Dohm kämpfte Ende des 19. Jahrhunderts in verschiedenen Schriften für die Gleichberechtigung und gegen die "Herrenrechte". Die Reporterin Maria Leitner berichtete über soziale Missstände. In einer guten Mischung werden bekannte Persönlichkeiten wie Émile Zola, Joseph Pulitzer, Egon Erwin Kisch, Carl von Ossietzky und Joseph Roth ebenso porträtiert wie auch weithin unbekannte oder vergessene Journalisten.

Aus der jüngeren Geschichte wurden Marion Dönhoff, Rudolf Augstein, Günter Gaus und Jürgen Leinemann ausgewählt und die Spiegel- und Watergate-Affäre näher beleuchtet. Schade, dass die Herausgeber entschieden haben, ihren historischen Bogen mit dem 20. Jahrhundert zu beenden. Denn nicht erst die Debatte über "Fake News" hat gezeigt, wie wichtig Aufklärungsarbeit von Journalisten auch im 21. Jahrhundert ist. "Ein Anschlag auf die Presse ist immer ein Anschlag auf die Wahrheit", schrieb Daniel Dafoe in einem Beitrag 1711. Dieser Satz hat auch mehr als drei Jahrhunderte später seine Gültigkeit: Pressefreiheit muss zu jeder Zeit erkämpft werden.

Michael Haller, Walter Hömberg (Hg.): "Ich lass mir den Mund nicht verbieten!" Journalisten als Wegbereiter der Pressefreiheit und Demokratie. Reclam-Verlag 2020.

© SZ/hy
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