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Presse im Südsudan:Kritische Presse ist unerwünscht

Dass die fehlende Farbe für die Presse in Südsudan das kleinste Problem ist, zeigte sich kürzlich bei einem Dialogforum für Medienvertreter und nationale Sicherheitsbeamte. Beide Seiten sollten Verständnis für die Arbeit des jeweils anderen entwickeln - das war der Anlass. Es sah dann so aus: Der Sprecher der südsudanesischen Armee erklärte in einer strahlend-grünen Brigade-Uniform mit Hilfe einer Power-Point-Präsentation, worüber Reporter berichten dürfen - und worüber nicht: Staatsgeheimnisse? Nein. Pressekonferenzen? Ja. Da dürfe man hinterher sogar Fragen stellen. Die Botschaft ist klar: Zu kritisch soll diese Presse nicht sein.

Jahr des Umbruchs in Afrika

Jahrelang hatte nur ein Thema die Berichterstattung aus dem Sudan beherrscht: der Darfur-Konflikt.

(Foto: dpa)

Der Sprecher für Militärlogistik, Philip Chol, ein geschniegelter Mann in beigem Maßanzug mit Goldringen an den Fingern, dozierte, wie man sich patriotisch zu verhalten habe: "Wenn ihr verantwortungsbewusste Journalisten seid, dann berichtet ihr über Dinge, die eurem Land nutzen." Die Reporter der versammelten südsudanesischen Medienlandschaft, junge Männer in Hemden und Sportschuhen, saßen reglos in der Runde und hören zu.

Viele der Reporter hier haben schon ihre Erfahrungen mit dem Militär gemacht, das jetzt nach den Jahren der Unterdrückung durch den Norden in Südsudan an der Macht ist. Ariath bekam einmal einen Anruf, als er über einen korrupten Gouverneur schrieb. Wenn er die Geschichte veröffentlichte, hieß es, würde das schlimme Folgen für ihn haben. Der Text erschien trotzdem. Nicht Ariath, aber Chefredakteur Bol wurde verhaftet. Seit 2007 saß Bol schon insgesamt dreimal in Haft für Geschichten über Korruption.

Zurück beim Citizen: Um ein Uhr nachts sitzen zwei junge Männer am Ende des Fließbands in der Druckerei neben dem Newsroom und stapeln die frisch gedruckten Exemplare, die aus der alten belgischen Druckerpresse kommen. Doch die klapprige Maschine kann nicht falten. Eineinhalb Stunden lang legen zwei Arbeiter deshalb von Hand die Zeitung zusammen, während von einem Smartphone arabische Folklore läuft.

Im Morgengrauen stehen die ersten Zeitungsverkäufer vor den Toren des Citizen. Gideon, der sich mit dem Job seinen Schulabschluss verdienen will, erreicht nach drei Stunden das Sahara-Hotel - ein Treffpunkt für die Reichen der Stadt. "Stellvertretender Minister ruft zur Kooperation zwischen Sicherheitssektor und Medien auf", lautet die Überschrift an diesem Tag. Die Kellnerin sagt, Gideon solle die Gäste nicht belästigen. Ein Mann kauft trotzdem eine Zeitung.

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