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Obama in der "Daily Show":"Jon Stewart darf nicht gehen"

Obama zum letzten Mal in der "Daily Show" von Jon Stewart.

(Foto: AFP)

Jon Stewart bekommt Besuch von Barack Obama, kurz vor Ende seiner Zeit bei der "Daily Show". Die perfekte Gelegenheit, die großen amerikanischen Fragen anzugehen. Eigentlich.

Von Johannes Kuhn, San Francisco

Als Barack Obama das Studio von Jon Stewart betritt, führt er uneinholbar mit 549 zu 16. Immerhin 549 Tage bleiben dem US-Präsidenten noch im Weißen Haus, Jon Stewart räumt den Platz in seinem New Yorker Studio schon am 6. August. Vom 28. September an sitzt sein Nachfolger Trevor Noah am Schreibtisch.

Der Abschiedsbesuch des Präsidenten ist eine kleine Würdigung seines Gastgebers, wenn auch keine Außergewöhnliche: Auch bei David Letterman hatte er kurz vor dessen Rente noch einmal vorbeigeschaut.

"Ich kann nicht glauben, dass du vor mir aufhörst", spielt Obama zunächst den Entsetzten, um dann unter lautem Jubel des Publikums zu versprechen: "Ich werde eine präsidiale Verfügung erlassen. Jon Stewart darf nicht gehen. Es wurden allerdings schon Klagen angekündigt." Stewarts trockene Antwort, in Anspielung auf den Konflikt um den Einfluss Washingtons: "Für mich ist das Sache der Bundesstaaten."

Schon vor zehn Jahren war Obama zu Gast

Es ist ein routiniertes Treffen zweier Akteure, die sich kennen. Bereits das siebte Mal nimmt Obama auf der anderen Seite von Stewarts Schreibtisch Platz. Das erste Mal war vor zehn Jahren, zuletzt war er im Wahlkampf 2012 zu Gast.

Late-Night-Auftritte sind in der Regel eine Mischung aus humorvollem Geplänkel und Produktvorstellungen, bei Stewarts Sendung kommt noch der Politik-Faktor dazu. Statt eines neuen Films oder Buchs bewirbt Obama den Atom-Vertrag mit Iran. Einige Kritiker glaubten, so erklärt er zielgruppengerecht ironisch, "dass alles super wäre, wenn wir Dick Cheney zu den Verhandlungen geschickt hätten".

Die USA hätten im Nahen Osten ja schon viel probiert, scherzt Stewart, hunderttausend Soldaten geschickt, Kämpfer bewaffnet. "Aber diese neue Sache ... Diplomatie hast du sie vorhin genannt, klingt interessant."

Während der US-Präsident über den Iran-Deal dozieren möchte, will Stewart über etwas anderes reden. Über das Verhältnis von Politik und Medien zum Beispiel, oder um das Auseinanderbrechen der amerikanischen Gesellschaft.

Dieser Bruch der Bush-Jahre, der Irakkrieg und die Kritik daran haben die Karrieren beider Männer angeschoben. Nur ist das Land inzwischen nicht wieder zusammengewachsen, sondern politisch ideologisierter als zuvor. Wenn man so will, sind Obama wie Stewart Gescheiterte.

Keine Debatte, sondern ein netter Plausch

Wie wäre es mit einer Art sozialem Freiwilligendienst, fragt Stewart, um wieder eine gemeinsame Idee zu entwickeln? Ein interessanter Vorschlag, antwortet Obama, eine verbindende Grundlage sei wichtig. Und einige Sätze später hat er den Bogen zum Iran-Abkommen geschlagen - wer seinen Kongressabgeordneten sage, dass sie es nicht blockieren sollten, hätte auch schon etwas Wichtiges getan.

Aus dem Gespräch entwickelt sich deshalb keine Debatte über die großen amerikanischen Fragen, sondern ein netter Plausch, in dem Stewart idealistisch, Obama diszipliniert und nur andeutungsweise nachdenklich daherkommt.

So sind sie verteilt, die Rollen in den Unterhaltungs-Interviews des Spätabend-TV, auch wenn der Rahmen politisch ist. Und doch würde man sich am Ende der 30-minütigen Sendung wünschen, den beiden einmal bei einem echten Kamingespräch zuzuhören. Ohne Publikum, ohne Rollenverteilung und Marketing-Botschaft.

Bald hätten sie ja Zeit dafür.

© Süddeutsche.de/jobr
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