Trevor Noah als Host der "Daily Show":"Ein gigantischer Komiker"

Trevor Noah als Host der "Daily Show": Trevor Noah auf der Bühne: In Johannesburg im Jahr 2008.

Trevor Noah auf der Bühne: In Johannesburg im Jahr 2008.

(Foto: AFP)

Er tritt die Nachfolge Jon Stewarts als Moderator der US-Nachrichtensatire "The Daily Show" an. Der legendäre Vorgänger ist begeistert. Und alle fragen sich: Wer ist Trevor Noah?

Von Elisa Britzelmeier

Trevor Noah also. Er soll die Daily Show übernehmen und auf Jon Stewart folgen. Noah dürfte es gewohnt sein, dass die Menschen ihn schwer einordnen können und ihm erst einmal reserviert gegenüber stehen. "Ich wurde schon als Verbrechen geboren", sagt er über sich selbst. Er wuchs in Südafrika auf, seine Mutter eine Schwarze vom Volk der Xhosa, sein Vater ein deutschsprachiger Schweizer - in Zeiten der Apartheid, als diese Beziehung illegal war. Auch nach dem Ende der Segregation war er immer der, der in keine Kategorie passte. Er galt als halb-halb, und wenn er heute auf der Bühne steht und Witze über seine Vergangenheit macht, dann fragt er: Warum eigentlich halb? Warum nicht doppelt?

Er ist Stand-Up-Komiker geworden ("aber ein guter, ein angriffslustiger", wie Caroline Ischinger 2012 in der SZ schrieb) und hat damit großen Erfolg. Nicht nur in seinem Heimatland, wo er bereits seine eigene Show moderierte, Tonight with Trevor Noah. Er spielte abendfüllende Programme in Großbritannien und den USA, und trat, als erster Südafrikaner überhaupt, in den TV-Shows von Jay Leno, David Letterman und mehrmals bei Jon Stewart auf. Die renommierte südafrikanische Tageszeitung The Sowetan schrieb 2009 über Noah, er sei für "großartige Dinge bestimmt".

Doch wer ist Trevor Noah? Das ist die meist gestellte Frage auf Twitter, als bekannt wird, dass er Stewarts Show übernimmt. In den USA kennt man ihn kaum, und die Überraschung ist groß, dass ein Nicht-Amerikaner die Kult gewordene Nachrichtensatire moderieren soll. Außer der Tatsache, dass beide Nachnamen tragen, die auch Vornamen sein könnten, haben Trevor Noah und Jon Stewart auf den ersten Blick wenig gemeinsam.

"Aah, der schwarze Hitler!"

Mit seinen 31 Jahren ist Noah sechs Jahre jünger als Stewart zu Beginn seiner Zeit als Daily-Show-Host. Stewart hat aus der Sendung ein Pflichtprogramm der amerikanischen Intellektuellen gemacht. Er ist selbst einer, geboren in New York, hat studiert, und durch seine Hartnäckigkeit ist er beinahe schon zu einer Instanz des investigativen Journalismus geworden. Trevor Noah dagegen wuchs in Soweto auf, den Townshipsiedlungen vor Johannesburg. Über seine Wahl ist der legendäre Vorgänger Stewart begeistert: "Er ist ein gigantischer Komiker", sagte er über Noah.

In seinen Auftritten erzählt Noah immer wieder von seiner Kindheit und seiner Herkunft. Davon, wie seine Mutter auf der Straße seine hellhäutigere Hand losließ, wenn die Polizei in der Nähe war. Davon, wie er, der bereits zahlreiche Sprachen spricht (die Angaben schwanken zwischen fünf und acht) seinem Vater zuliebe Deutsch lernt. In einer Nummer beschreibt er einen Aufenthalt in Deutschland, in der Bäckerei brüllt er seine Bestellung geradezu heraus: "Ein Brötchen mit Schinken! Und eine Pepsi Cola!!!" Die Verkäuferin kommentiert das mit: "Aah, der schwarze Hitler!" (In diesem Video ab Minute 3:14).

Überhaupt, im Umgang mit Sprachen und Akzenten ist er ein Meister. Wechselt vom südafrikanischen Englisch, das er eigentlich spricht, ins Amerikanische, mimt die spanische und die deutsche Aussprache und demonstriert seinem Publikum die Vielfalt der afrikanischen Akzente. Als er bei Jon Stewart zu Gast ist, führt er diesem seine typisch westlichen Vorurteile über Afrika vor Augen. Bei Letterman erzählt er davon, wie er so gerne ein richtiger Schwarzer sein wollte, damals, in Afrika. Auf dem Flug in die USA übt er den richtigen Akzent, das richtige Lachen, den richtigen Gang, all die Coolness schwarzer Amerikaner, wie er sagt. Nur um dann bei der Ankunft für einen Mexikaner gehalten zu werden.

Politisch, aber nicht politisch korrekt

Noah Trevors Pointen sind persönlich. Trotzdem sind sie immer politisch - und auf keinen Fall politisch korrekt. Das wird nun kritisiert. Kaum war bekannt, dass Noah die Daily Show übernehmen soll, tauchten alte Tweets von ihm auf, in denen er Witze über Juden und Frauen macht. Auf einige Twitter-Nutzer wirkten sie so verletzend, dass sie bereits ankündigten, die Daily Show zu boykottieren.

Dabei ist Noah eigentlich der multiethnische Comedian, von dem man glaubt, dass er zu jedem sprechen könnte, der sich ausgegrenzt fühlt. Und angesichts der Debatte um Rassismus in den USA scheint er zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Ihm gehe es gar nicht um Rasse, Alter oder Religion, sagte Noah einmal. Sondern um den Menschen.

Im Jahr 2011 wurde ein Dokumentarfilm über ihn gedreht, mit dem Titel "You laugh but it's true". Das steht für die Weise, wie seine Witze funktionieren. Wir lachen, dabei ist es wahr. Es gilt aber auch oft für die Daily Show. Sind sich Stewart und Noah am Ende vielleicht doch ziemlich ähnlich? Das amerikanische Magazin Newsweek fragte im Jahr 2012: "Kann Noahs Komik es über den Atlantik schaffen?" Nun sieht alles so aus, dass sie es kann.

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