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Abhör-Affäre bei "News of the World":Murdoch stellt seine Skandal-Zeitung ein

Die Abhör-Affäre hat Konsequenzen: Das Verlagshaus des Medienmoguls Rupert Murdoch nimmt die britische Boulevardzeitung "News of the World" vom Markt. Am Sonntag werde das Blatt letztmalig erscheinen, teilte der Konzern mit. Für "unmenschliches Verhalten" sei kein Platz. Für Murdoch war der Skandal um gehackte Mailboxen zur Belastung geworden - denn er hat große Pläne.

Am Donnerstagnachmittag hatten sich die Gewitter wieder aus London verzogen, doch kurz vor 16 Uhr schlug in den Redaktionsräumen an der Virginia Street der Blitz ein - in Form einer Erklärung von James Murdoch höchstpersönlich: Die nächste Ausgabe der News of the World am kommenden Sonntag werde die letzte sein, ließ der Sohn von News-Corporation-Besitzer Rupert Murdoch der schockierten Belegschaft mitteilen.

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"The big stories start here" - die großen Geschichten beginnen hier, so warb die britische Zeitung News of the World um Leser. Damit ist jetzt Schluss.

(Foto: Bloomberg)

"Die Rolle der News of the World ist es, andere zur Rechenschaft zur ziehen", schrieb James Murdoch, 38, "aber sie versagte, als es um sie selbst ging."

Ein Privatdetektiv hatte im Auftrag des Blattes die Handy-Mobilbox eines Entführungsopfers gehackt. Wie am Mittwoch bekannt wurde, war er aber auch in die Mobiltelefone von Familien gefallener Soldaten eingedrungen sowie in die von Opfern und Hinterbliebenen der Londoner U-Bahn-Anschläge 2005. Auch sollen Polizisten für die Preisgabe von Informationen geschmiert worden sein.

James Murdoch erklärte weiter, sowohl die Zeitung als auch der News International Verlag hätten es versäumt, dem "wiederholten Fehlverhalten" auf den Grund zu gehen; "gewissenlos und ohne legitimen Zweck" sei die Abhörpraxis gewesen, falls sich die jüngsten Vorwürfe bestätigten sollten, sogar "unmenschlich". Übeltäter hätten "aus einer guten Redaktion eine schlechte gemacht", es gebe keine andere Lösung: "Nach Rücksprache mit ranghohen Kollegen habe ich beschlossen, dass diese entschiedene Maßnahme notwendig ist."

Die letzte Ausgabe in der 168-jährigen Geschichte des Titels mit einer Auflage von 2,6 Millionen Exemplaren wird ohne Anzeigen erscheinen, alle Einnahmen werden wohltätigen Vereinen gespendet, verfügte Murdoch junior. Im Laufe des Tages waren dem Blatt immer mehr Werbekunden abgesprungen. Die wenigen Firmen, die wie die Supermarktkette Tesco weiter zu dem reißerischen Titel gehalten hatten, waren durch Proteste in sozialen Netzwerken massiv unter Druck geraten.

"Sie hatten keine andere Wahl"

"Nicht Murdoch hat die News of the World dichtgemacht, es ist die Abscheu, die Familien im ganzen Land ob ihrer Vorgehensweise verspüren", sagte der Labour-Abgeordnete Tom Watts. "Die Zeitung hätte alle ihre Leser verloren und keine Anzeigenkunden übrig gehabt. Sie hatten keine andere Wahl."

Wie es mit der Belegschaft in Wapping weitergeht, war aber am Donnerstag unklar. "Viele von ihnen sind erst seit kurzem in der Firma, ich verstehe, dass die Entscheidung unfair erscheint", erklärte Murdoch. Ohne Entlassungen wird es kaum gehen, es gab sogar Gerüchte, dass die gesamten 200 Mitarbeiter gefeuert werden sollen. Murdoch junior räumte auch persönliche Fehler im Zusammenhang mit Schadensersatzzahlungen an Opfer des Telefon-Hackings in diesem Frühjahr ein: "Ich kannte damals noch nicht die ganze Tragweite. Das war falsch und ich bedauere es sehr."

Was mit Rebekah Brooks geschieht, der Vorstandschefin der Murdoch-Holding News International in Großbritannien, ist ebenfalls offen. Sie war in der Zeit 2000 bis 2003 Chefredakteurin von News of the World, und es ist schwerlich vorstellbar, dass die Abhör-Aktionen ohne ihren Segen passierten. Brooks bestreitet eine Mitwisserschaft. James Murdoch erwähnte ihren Namen in dem Kommuniqué am Donnerstag mit keinem Wort.